Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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hierbei  vereinzelt  eine  verdeckte  Steuer  mit  zum  Ausdruck  gebracht  wurde,  darf
nicht  weiter  'überraschen,  rechtfertigt  sich  auch  durch  die  jeweilige  Finanzlage  des
Staates  von  selbst.  So  zeigen  die  damaligen  parlamentarischen  Verhandlungen
in  der  württ.  Kammer  ein  lebhaftes  Bild  von  dem  Auf  und  Nieder  des  vielumstrittenen ­
  Salzpreises.
Es  erfolgten  daher  in  der  württ.  Kammer  sich  ständig  wiederholende  Anträge ­
  der  Volksvertreter  auf  Herabsetzung  des  Salzpreises.  So  stellte  im  Jahre
1827  der  Abg.  Gärtner  den  Antrag,  den  Salzpreis  von.  4  kr.  auf  2  kr.  das
Pfund  herabzusetzen;  gleichzeitig  wurde  auch  eine  Freigabe  des  Salzverkaufes
und  Salztransportes  im  Jnlande  gefordert.  Ueber  die  Möglichkeit  der  Herabsetzung ­
  des  Salzpreises  wurde  die  Finanzkommission  mit  den  notwendigen  Untersuchungen ­
  betraut,  die  jedoch  durch  ihren  Berichterstatter  Dr.  Zahn,  Abg.  von
Calw,  die  Herabsetzung  des  Salzpreises  finanzwirtschaftlich  für  untunlich  erklären
ließ.  Die  Gründe,  welche  die  Kommission  zu  einer  Ablebnnng  des  Antrages
auf  Salzpreisermäßigung  veranlaßten,  waren  die  folgenden.  Die  Kommission
erklärte,  daß  das  Einschmuggeln  von  Salz  keineswegs  aufhören  würde,  solange
im  Auslande  billigeres  Salz  zu  haben  wäre.  Vor  allen  Dingen  befürchtete
man,  durch  die  Salzpreisherabsetzung  eine  wirtschaftliche  Wertminderung  der  bestehenden ­
  Salinen  und  Salzbergwerke.  Die  Kommission  ging  soweit,  infolge
der  zu  erwartenden  Mindereinnahmen  das  Fortbestehen  der  Salinen  und  Salzbergwerke ­
  als  fraglich  zu  behaupten.  Finanzwirtschaftlich  wurden  die  vorgeschlagenen ­
  Deckungsmittel  für  den  zu  erwartenden  Ausfall  als  unzureichend  erklärt. ­
  Auch  glaubte  man  einen  Ausgleich  durch  Zunahme  des  Salzverbrauchs
nicht  erhoffen  zu  können.  Im  übrigen  empfahl  die  Kommission  denjenigen,
welche  Salz  durchaus  zu  2  kr.  das  Pfund  kaufen  wollten,  sich  an  Steinsalz  zu
gewöhnen,  das  wohl  in  zahlreichen  Fällen  als  Speisesalz  in  jener  Zeit  benutzt
worden  zu  sein  scheint^).
Dennoch  waren  einflußreiche  Abgeordnete  für  die  Herabsetzung  des  Salzpreises ­
  für  Kochsalz  von  4  kr.  auf  2  kr.  pro  Pfund.  So  die  Abg.  Pfleiderer
und  Rümelin,  die  einen  dahingehenden  Sonderantrag  damit  begründeten,  daß
eine  solche  Herabsetzung  des  Salzpreises  sich  möglicherweise  durch  eine  Verpachtung ­
  der  Salinen  erreichen  lasse.  Obgleich  die  Finanz-Kommission  der  Verpachtung ­
  ihre  Zustimmung  versagte,  sei  über  den  Plan  der  Verpachtung  folgendes
mitgeteilt.  Die  Finanz-Kommission  niachte  hierüber  folgende  durchaus  zutreffende
Ausführungen.  Da  durch  eingehende  Untersuchungen  festgestellt  worden  war,
daß  die  Verwaltung  der  staatlichen  Salinen  in  technischer,  wie  kaufmännischer
Hinsicht  eine  einwandfreie  und  ausgezeichnete  war,  so  konnte  mit  Recht  nicht
angenommen  werden,  daß  ein  Privatmann  größere  Gewinne  als  der  Staatsbetrieb ­
  erziele.  Dementsprechend  hätte  die  Pachtsumme  kaum  höher  angesetzt  werden ­
  können,  als  der  durch  den  Staatsbetrieb  erzielte  Gewinn.  In  einem  solchen
Fall  hätte  aber  die  private  Verpachtung  keinen  praktischen  wirtschaftlichen  Wert
gehabt.  Bei  einer  Verpachtung  des  Steinsalzbergwerkes  „Wilhelmsglück"  wies
die  Finanz-Kommission  weiter  mit  Recht  darauf  hin,  daß  der  private  Abbau  des
Salzlagers  leicht  zu  einem  Raubbau  führen  könne.  Als  ein  warnendes  Beispiel
wurde  das  große,  berühmte  Salzwerk  zu  Wieliczka  in  Oesterreich  angeführt,  in

1)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.  Jahr  1827.  II.  außerord.  Beilagen-Heft,
  Seite  112.
            
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