20ö Bewertung der Arbeit
gewachsen zu sein. Man hat oft in dem Klima einen bedeu-
tenden Faktor für die Steigerung der Arbeitsintensität sehen
wollen: namentlich die kalte trockene Luft soll anregend wir-
ken, die Nerven stählen, die Energie anpeitschen, und in den
kalten Wellen soll „ein Aktivbestand von unschätzbarem
Werte‘ 39 liegen. Wir sind noch nicht so weit, derartige Be-
ziehungen als Fundamente benutzen zu können, dagegen ist
der Einfluß der sozialen Atmosphäre in diesem Falle zweifel-
los. Der einzelne wird durch die allgemeine Arbeitswütigkeit
mit fortgerissen, er hat auch gar keine Möglichkeit, sich ihr
zu entziehen. Es gehört zum Wesen des kapitalistischen Wirt-
schaftssystems, daß es keine Freiheit des Arbeitsquantums
zuläßt; wer nicht die üblichen Arbeitszeiten einzuhalten gewillt
ist, nicht die gleichen Arbeitsmengen zu leisten vermag wie
seine Nachbarn, schaltet sich selbst aus; hierin liegt ja einer
der Gründe für die Schwierigkeit der Verwendung von Ne-
gern in den industriellen Betrieben. Die Folgen dieser erhöhten
Aktivität zeigen sich in einer raschen Abnutzung der Menschen,
einem hohen Menschenverbrauch, den man sich leisten konnte,
da die Einwanderung die freigewordenen Plätze sogleich
wieder ausfüllte. Für ältere Leute hat man keine Verwendung;
Arbeiter von 40 Jahren gelten schon als nicht mehr leistungs-
fähig und finden kaum noch eine Stelle. Als einmal ein aus-
ländischer Besucher in Chicago eine Fabrik besichtigte, und
zu dem ihn Herumführenden die Bemerkung machte, es sei
ihm aufgefallen, daß er so wenig ältere Arbeiter zu Gesicht
bekommen habe, wurde ihm die Antwort: „Wenn Sie die