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wesenes, mithin ein Etwas, das einen Anfang hat, es können
also auch nicht von Ewigkeit her Gesetze in ihr ruhen.
Es ist sonach reiner Unsinn, zu behaupten, daß die Materie
vermöge der Mechanik oder Beweglichkeit ihrer Theile nach ewig in
ihr wohnenden Gesetzen alles organische Leben im Weltall hervor
gebracht habe und erhalte.
Wenn mithin die Materie weder sich selbst, noch die aus ihr
bestehende Welt geschaffen haben kann, so muß doch eine denkende,
wollende und könnende Macht oder Kraft vorhanden sein, die nicht
nur die Materie und aus dieser die Welt m3 Dasein gerufen hat,
sondern sie auch erhält und zwar, wie wir jederzeit wahrnehmen
können, nach von dieser Macht gegebenen bestimmten unabänder
lichen Gesetzen. — Nun, diese Macht nennen die gläubigen Menschen
Gott! —
Gleichwohl hat sich unlängst ein allgemein bekannter Natur
forscher von gliihendem Forschungseifer dazu getrieben oder um
durch Absonderlichkeit Sensation zu erregen, veranlaßt gesehen, die
Welt mit einer auf die eben erwähnten beiden Sätze basirten neuen
Schöpfungslehrc zu überraschen. Nach derselben ist der Ursprung
der ganzen organisch belebten Natur, sammt den darin vorhandenen
und wirkenden geistigen und seelischen Kräften von einer Urzelle oder
dem Urschleim herzuleiten.
Diese Urzellc sei, so lehrt dieser Naturforscher, durch die in ihr
seit Ewigkeit ruhenden Gesetze gezwungen, sich zu stufenweise höheren,
belebten unb beseelten Organismen herauszubilden und zwar so, daß
immer eine neue Art aus der ihr zunächst vorhergehenden entstehe.
Ein Professor in Jena hat die sog. Dcsccndenzlchrc zuerst
auf den Menschen angewandt und ausgeführt, daß dieser selbst aus
dem ihm zunächst stehenden Affen hervorgegangen sei und zwar
durch die eigne Kraft und Art des Affen, dessen inneres Bedürfniß
ihn dazu gebracht habe, sich zum Menschen zu erheben, freilich erst
im Laufe von vielen Millionen Jahren, deren Zahl nicht zu er
mitteln wäre. Der Affe besitzt also die gewaltige Fähigkeit und