Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Es  ergibt  sich  hiernach  eine  Gesamt-Mächtigkeit  der  Anhydritgruppe  von
79,02  m.
Die  so  im  Jahre  1840  bei  Bergfelden  erbohrte  Soole  wird  in  einer  eisernen ­
  Rohrleitung  von  14  300  Fuß  Länge  über  eine  Anhöhe  nach  dem  Siedehaus ­
  der  Saline  in  Sulz  geleitet  *).  Das  Heben  der  Sole  erfolgt  durch  ein
vom  Mühlbach  getriebenes  Rad.  Die  Beschaffung  der  neuen  Sole  war  mit
recht  erheblichen  Kosten  verknüpft.  Infolge  Ankaufes  notwendiger  Grundstücke
und  Wasserkräfte,  sowie  für  Schaffung  sonstiger  technischer  Einrichtungen  waren
nach  Abzug  des  Erlöses  für  entbehrlich  gewordene  Gebäude  rund  44  000  Gulden ­
  aufzubringen  gewesen.
Um  das  Jahr  1855  zeigten  die  technischen  Betriebsanlagen  auf  der  Saline
Sulz  folgenden  Umfang  1  2  3 ).  Es  war  vorhanden  1  Bohrhaus  bei  Bergfelden  mit
2  Bohrlöchern,  aus  welchen  die  Sole  durch  Pumpen  gehoben  und  mittels  eines
Druckwerkes  in  einer  Leitung  nach  Sulz  geführt  wurde.  Die  weiteren  Anlagen
umfaßten  1  Reservoirgebäude  mit  3  Solenkästen,  1  Siedehaus  mit  2  Siedepfannen, ­
  2  Hallerde-Pochwerke  mit  16  Pochstempeln.  Die  Hallerde,  kein  Salinenprodukt, ­
  wurde  durch  bergbaulichen  Betrieb  gewonnen.  Als  Düngungsmittel
war  die  Hallerde  in  der  Umgegend  sehr  beliebt;  der  Absatz  dieses  Produktes
erfolgte  in  einem  Umkreis  von  3—4  Stunden.  Die  Produktionsverhältnisse
zeigten  um  die  genannte  Zeit  folgendes  Bild.  Die  Jahresproduktion  sollte  betragen ­
  an  Kochsalz  1500  Ztr.  und  an  Viehsalz  300  Ztr.  Hallerde  wurden
etwa  43  600  Kübel  zu  10  kr.  gewonnen.  Wie  man  sieht,  beschränkte  sich  die
Salzproduktion  auf  sehr  geringe  Mengen.  Im  Siedeverfahren  ergab  1  Klafter
Tannenholz  zu  6  fl.  6  kr.  nur  31  Ztr.  Kochsalz.  Im  Hanptfinanzetat  von
1830/33  war  noch  eine  jährliche  Produktion  von  4000  Ztr.  Kochsalz  und  350
Ztr.  Viehsalz  vorgesehen;  außerdem  ein  Finanzertrag  von  5100  fl.  für  die  Gewinnung ­
  von  Nebenprodukten;  also  gegen  1855  ein  nicht  unerheblicher  Rückgangs).
Schon  im  Jahre  1858  tauchten  in  der  württ.  Kammer  Befürchtungen  auf,  der
Betrieb  der  Saline  Sulz  könnte  aus  Gründen  der  Rentabilität  seitens  der  Regierung ­
  eingestellt  werden;  Befürchtungen,  die  der  württ.  Finanzminister  v.  Knapp
im  September  1858  als  unbegründet  erklärte 4 ).  Neben  der  eigentlichen  Salzproduktion ­
  befaßte  man  sich  um  diese  Zeit  in  Sulz  auch  stark  mit  der  Fabrikation
sogenannter  Hallerde,  die  in  der  Landwirtschaft  ein  vielbegehrtes  Düngemittel
war.  Diese  Hallerde  war  ihrer  Zusammensetzung  nach  nichts  anderes,  als
reichlich  mit  Sole  getränkte  Tonerde.  Dem  starken  Salzgehalt  schrieb  man  die
befruchtende  Kraft  auf  den  Pflanzenbau  zu.  Ueber  den  wirklichen  Charakter
und  Wert  der  Hallerde  als  Düngemittel  war  nian  sich  jedoch  im  großen  und
ganzen  ziemlich  unklar.  Im  September  1858  forderte  der  Abgeordnete  für  Sulz,
Sarwey,  die  Regierung  auf,  von  den  Landwirtschafts-Hochschulen  in  Kirchberg
oder  Hohenheim  eine  chemische  Untersuchung  der  Hallerde  vornehmen  zu  lassen,
um  einmal  die  tatsächliche  Bedeutung  der  Hallerde  wissenschaftlich  zu  erfassen.
Der  Abgeordnete  vermutete,  und  wohl  nicht  nnt  Unrecht,  daß  die  ganze  Düngekraft ­
  vermutlich  in  der  der  Erde  beigegebenen  Salzlösung  bestehe.  Wenn  das

1)  Kql.  stat.-topoqr.  Bureau,  Beschreibung  des  Oberamts  Sulz  1863.  Stuttgart.
Seite  115.

2)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.,  Jahr  1855.  II.  Beil.-Bd.  S.  265.

3)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.,  Jahr  1830.  III.  Beil.-Heft  S.  17.

4)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.,  Jahr  1868.  IV.  Band,  S.  2194.
            
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