Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

Das  Kochsalz  von  Sulz  zeigt  weiße  Farbe  und  besitzt  ein  mittleres  Korn.
Im  April  1909  bei  Gelegenheit  eines  Besuches  des  Verfassers  auf  der
Kgl.  Saline  Sulz  stand  dortselbst  ein  Siedehaus  in  Betrieb.  Die  Sole  wird
auf  einer  80  qm  großen  Siedepfanne  verarbeitet.  Für  die  Trocknung  des
Siedesalzes  benutzt  man  vier  kleinere  Trockenherde,  die  zusammen  eine  Gesamtfläche ­
  von  160  qm  besitzen.  Die  Trockenherde  werden  durch  die  Rauchabgase
der  Siedepfanne  geheizt.  Die  Verpackung  des  Salzes  erfolgt  in  Säcken  zu  50  kg
und  100  kg.  Neben  der  Salzfabrikation  beschäftigt  man  sich  noch  mit  der  Gewinnung ­
  von  Anhydrit.  Mit  dem  bergmännischen  Abbau  des  Anhydrits  sind
durchschnittlich  10  Arbeiter  beschäftigt.  Der  Anhydrit,  auch  Hallerde  genannt,
wird  im  gemahlenen  Zustande  abgegeben  und  zwar  mit  einem  Gehalt  von  3  %
Chlornatrium.  Die  Hauptverwendung  des  Anhydrits  erfolgt  zu  Düngungszwecken. ­
  Für  das  Mahlen  des  Anhydrits  besitzt  die  Saline  eine  besondere  Anhydtitmühle.
  Die  Jahresproduktion  in  Anhydrit  beläuft  sich  durchschnittlich  auf
2500  Ztr.  Im  Salinenbetrieb  werden  15  Arbeiter  beschäftigt.
Die  geringe  Produktionsleistung  der  Saline  Sulz  in  den  letzten  Jahrzehnten ­
  und  die  dadurch  bedingten  geringen  Reinerträge  haben  in  der  württembergischen
  Kammer  wiederholt  den  Wunsch  entstehen  lassen,  nach  einer  Aufgabe
oder  Veräußerung  der  Saline.
Auch  der  letzte  Hauptfinauzetat  der  Rechnungsjahre  1909/10  enthält  einen
Antrag  der  Finanzkommission  vom  19.  Mai  1909,  vertreten  durch  den  Berichterstatter ­
  Kaeß,  und  wollen  wir  diesen  Antrag  im  Wortlaut  hier  folgen  lassen  *):
Antrag  der  Finanzkommission:
Die  K.  Regierung  zu  ersuchen,
1.  zwecks  Veräußerung  des  Besitzes  der  Saline  Sulz  in  Verbindung  mit
der  Stadtgemeinde  Sulz  zu  treten,  welcher  die  Berechtigung  zur  Gewinnung ­
  von  Hallerde  eingeräumt  werden  könnte;
2.  für  den  Fall  der  Ablehnung  der  Erwerbung  seitens  der  Stadtgemeinde ­
  Sulz  den  Betrieb  der  Saline,  soweit  nicht  rechtliche  Bedenken
entgegenstehen,  vom  1.  Januar  1911  an  einzustellen;
3.  in  diesem  Falle  den  zur  Zeit  in  der  Saline  beschäftigten  Arbeitern
für  ein  Unterkommen  in  einer  anderen  Saline  oder  in  anderen  Betrieben ­
  behilflich  zu  sein,  den  etwa  erwerbslos  werdenden  Arbeitern
eine  nach  Billigkeitsgesichtspnnkten  bemessene  einmalige  Entschädigung,
falls  es  sich  um  ältere  Arbeiter  handeln  sollte,  eine  Versorgung  zu
gewähren.
Die  Verhandlungen  über  diesen  Antrag  erfolgten  in  der  württembergischen
II.  Kammer  am  7.  Juni  1909  1  2 ).  Der  Antrag  wurde  durch  den  Berichterstatter
Abg.  Kaeß  wie  folgt  begründet:  „Die  Saline  Sulz  ist  seit  Jahren  in  ständigem
Rückgang  begriffen.  Im  Etat  1905/06  sollte  dieselbe  noch  abliefern  15  000  M.,
im  Etat  1907/08  sind  angesetzt  8000  M.  und  im  jetzigen  Etat  finden  wir
5000  M.  Allein,  meine  Herrn,  auch  diese  kleinen  Beträge  werden  nicht  erreicht, ­
  sondern  Sulz  arbeitete  nach  der  mir  vorliegenden  Schlußbilanz  vom  Jahre
1907  —  die  letzte  Bilanz  —  mit  einem  Verlust  von  2223  M.,  während  die
Saline  in  der  Schlußbilanz  mit  135  000  M.  zu  Buch  steht.  Nimmt  man  also

1)  Verhandlung  d.  württ.  Kammer  1908/09.  Beil.-Bd.  104,  S.  656.
2)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.  1909,  Seite  5068.
            
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