134 UI- Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
Ausführungsdetails des Verfahrens in jedem einzelnen Falle um
so schwieriger, und erfordert einen wohlvertrauten Kenner der
Sache.“
Wie steht es nun in bezug auf die bei der Saatreinigung
und Raffination gemachten Verbesserungen, sind sie dem Kleinbetriebe
in dem gleichen Maße zugänglich wie dem Großbetrieb?
Auch hier ist der Großbetrieb bei weitem im Vorteil.
Vermöge seiner größeren Kapitalkraft und besonders seiner bedeutend
höheren täglichen Produktion ist für ihn eine bis ins
einzelne gehende Reinigung der Ölsaaten durch komplizierte
Maschinen möglich, während hierzu der Kleinbetrieb aus Rentabilitätsgründen
nicht in so ausgedehntem Maße imstande ist.
Auch bei der Raffination der Öle hat der Großbetrieb ein Übergewicht
gegenüber dem Kleinbetrieb, da er für sich die tüchtigsten
Ingenieure und Chemiker zur Leitung dieser Abteilung
anstellen kann und infolge dieser spezialisierten fachmännischen
Leitung im allgemeinen eine viel vollkommenere Reinigung der
Öle erreicht, als dies in den kleinen Fabriken der Fall ist, bei
denen ein einziger Ingenieur den ganzen Betrieb leiten muß.
Fasse ich die Ergebnisse meiner Untersuchungen über die
Fortschritte der Technik in den letzten 40 Jahren zusammen, so
komme ich zu der Feststellung, daß die Einführung der Mehrzahl
aller Verbesserungen mit einer bedeutenden Kapitalsvermehrung
und einer direkten oder doch indirekten Vergrößerung
der Betriebe verbunden war. Wie weitgehend diese Erscheinungen
waren, davon können wir uns ein Bild auf Grund der
folgenden Gegenüberstellung machen:
Für eine große nach Neußer System um 1860 eingerichtete
Ölfabrik, welche mit 5 vertikalen Vorpressen und 16 horizontalen
Nachpressen arbeitete (die 1864 größte deutsche Ölfabrik,
die Ölmühle von H. Thywissen & Sohn in Neuß, arbeitete mit
13 vertikalen Vorpressen und 27 horizontalen Nachpressen), betrugen
die Anschaffungskosten für Gebäude, Maschinen,
Speicher, Wohnungen usw., 280000 M. 48 ).
In der Ölfabrik von Herz in Wittenberge, welche mit 32 vertikalen
Pressen arbeitete (1864 die zweitgrößte deutsche Ölfabrik),
wurden in den sechziger Jahren täglich ca. 40000 kg
48 ) Nach Angaben bei Rühlmann, I. c., 1. Aufl., Bd. II, S. 333.