Full text : Die deutsche Ölmüllerei

162  HI-  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

den  Staat,  die  Bergwerke  usw.,  während  die  kleineren  Mühlen
nach  wie  vor  zum  größten  Teile  den  ländlichen  Konsum  an  Öl
deckten  —,  andererseits  in  den  noch  nicht  genügend  ausgebildeten ­
  Verkehrsverhältnissen,  welche  die  Vorteile  der  konzentrierten ­
  großbetrieblichen  Produktion  durch  hohe  Transportkosten ­
  wieder  aufhob.
Hier  traten  nun  aber  in  den  siebziger  Jahren  Änderungen
von  solcher  Tragweite  ein,  daß  sich  die  kleinen  Mühlen  zu  Hunderten ­
  gezwungen  sahen,  den  Betrieb  einzustellen.  Aus  der  Geschichte ­
  der  Leuchtmittel  dürfte  bekannt  sein,  daß  gegen  Ende
der  sechziger  Jahre  das  Petroleum  seinen  Siegeszug  als  Leuchtmittel ­
  begann  und  im  Laufe  des  siebenten  und  achten  Jahrzehnts
seinen  Konkurrenten,  das  Rüböl,  mehr  und  mehr  verdrängte.
Auf  Grund  der  folgenden  Einfuhrziffern  des  Petroleums  kann
man  sich  ein  Bild  von  dieser  zunehmenden  Ausbreitung  des
Petroleumkonsums  machen.  Es  betrug  nämlich  die  Einfuhr  von
Petroleum  abzüglich  der  Ausfuhr  im  deutschen  Zollverein,  bzw.
im  Deutschen  Reiche:

1866

40736

t

1870

119936

t

1875

250  692

t

1880

265587

t

1885

482047

t

1890

656743

t

Es  ist  nicht  Aufgabe  meiner  Abhandlung,  im  einzelnen  die
Vorzüge  der  Petroleumbeleuchtung  gegenüber  der  durch  Rüböl
aufzuzählen,  es  genügt  vielmehr,  einfach  diese  Überlegenheit
des  Petroleums  festzustellen,  ln  dem  Petroleum  entstand  nun
den  kleinen  Ölmühlen  der  Feind,  welcher  sie  zur  Kapitulation
zwang.  Mit  der  zunehmenden  Verbreitung  der  Petroleumbeleuchtung ­
  auch  auf  dem  Lande  ging  ihnen  nämlich  in  vielen
Fällen  die  letzte  Absatzquelle  verloren,  die  ihnen  bisher  noch
ein  Bestehen  neben  den  größeren  Ölmühlenbetrieben  ermöglicht
hatte.  Während  die  größeren  Ölmühlen  den  ihnen  durch  den
Übergahg  zur  Petroleumbeleuchtung  in  den  Städten  entstehenden ­
  Schaden  reichlich  durch  vermehrte  Lieferungen  an  Eisenbahnen ­
  und  Bergwerke,  die  in  dieser  Zeit  rapide  Zunahmen  und
noch  längere  Zeit  die  Rübölbeleuchtung  beibehielten,  wieder
einbrachten,  verminderten  sich  mit  der  infolge  der  Erweiterung
            
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