Full text : Die deutsche Ölmüllerei

Die  Stellung  der  Ölmüllerei  im  Rahmen  des  deutschen  Wirtschaftslebens.  17

Mengen  Ölkuchen  verfütterte,  bequemte  man  sich  in  Deutschland ­
  und  anderen  Ländern  nur  langsam  zur  Verwendung  der
Ölkuchen  als  Futtermittel,  und  der  deutsche  Konsum  an  Ölkuchen ­
  zeigt  ein  bedeutendes  Wachstum  eigentlich  erst  in  den
letzten  zwanzig  Jahren.  Die  gewaltige  Veränderung  in  den
deutschen  Konsumverhältnissen  veranschaulichen  die  folgenden
Zahlen:
Es  betrug  im  Durchschnitt  von  1840—49  die  Einfuhr  an
Ölkuchen  im  Zollverein  jährlich  1288  t,  die  Ausfuhr  22551  t;
die  Menge  der  jährlich  im  Zollverein  verarbeiteten  Ölsaaten
dürfte  500000  t  keinesfalls  überstiegen  haben.  Bei  ca.  55°/ 0
Ausbeute  ergibt  das  eine  Menge  von  275  000  t  Ölkuchen.  Es
wurden  also  insgesamt  im  Zollverein  jährlich  höchstens  250000  t
Ölkuchen  konsumiert.
Im  Jahre  1909  betrug  im  deutschen  Reiche  die  Einfuhr  an
Ölkuchen  731  323,41,  die  Ausfuhr  195  518,5  t;  die  Menge  der  1909
im  Deutschen  Reiche  verarbeiteten  Ölsaaten  überstieg  1  200000  t.
Bei  durchschnittlich  65%  Ausbeute  ergibt  das  eine  Menge  von
780000  t  Ölkuchen.  Der  Konsum  an  Ölkuchen  betrug  also  1909
über  1316000  t,  oder  mehr  als  das  Fünffache  der  jährlichen
Durchschnittsmenge  von  1840—49.
Der  ziemlich  bedeutende  Export  von  Ölkuchen  (1904  bis
1909  durchschnittlich  jährlich  184344  t)  findet  in  der  Hauptsache ­
  von  den  in  Harburg  und  Bremen  gelegenen  Ölfabriken
statt,  deren  Hinterland  auch  heute  noch  einen  verhältnismäßig
geringen  Konsum  an  Ölkuchen  aufweist.  Die  Hauptbezugsländer ­
  sind  Holland,  England,  Dänemark  und  Schweden,  und
der  Transport  dorthin  geschieht  fast  ausnahmslos  durch  kleine,
zum  großen  Teil  deutsche  Segler.
Mit  der  deutschen  Maschinenindustrie  steht  die  deutsche
Ölmüllerei  neuerdings  infolge  des  ausgedehnten  maschinellen
Apparates  der  modernen  Ölfabriken  in  engen  Beziehungen.  Bis
gegen  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  bezogen  die  deutschen
Ölmühlen  ihre  Maschinen  zum  größten  Teile  aus  England  und
Amerika,  weil  die  dort  verfertigten  Pressen  usw.  auf  einer  weit
vollkommenster  Weise,  „denn  sie  enthalten  in  geringem  Volumen  verhältnismäßig ­
  große  Mengen  leicht  verdaulicher  Nährstoffe,  insbesondere
viel  Fett  und  Eiweiß  und  weisen  einen  entsprechenden  Gehalt  an  verdauungsfördernden ­
  und  die  andere  Körpertätigkeit  anregenden  Reizstoffen
auf“.
Klaue,  Ölmüllerei.

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