Full text: Die deutsche Ölmüllerei

Die Produktionsverhältnisse in der Ölmüilerei um 1800. 31 
tragen; diese verliehen es wieder weiter an: Private gewöhnlich 
unter Verpflichtung der Zinsgabe. Das ursprünglich nur an 
Wassermühlen bestehende Regal wurde mit Erfindung der Wind 
mühlen ohne weiteres auch auf diese ausgedehnt. 
Die Ausnutzung der Kraft des Windes zum Betriebe von 
Ölmühlen hat in Holland seinen Ursprung; dort wurden Wind 
ölmühlen zuerst Ende des 16. Jahrhunderts in Benutzung ge 
nommen, und zwar arbeiteten diese mit Stampfwerken und 
Rammpressen. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dann zuerst 
von Jan Andriaansche Leegwater die Benutzung von Ölgängen 
eingeführt, und bürgerte sich diese neue Erfindung schnell all 
gemein in Holland ein. Neben den Ölgängen blieben jedoch 
auch die Stampfwerke in Gebrauch, nur ließ man jetzt bloß 
noch je einen Stempel in jedes Grubenloch fallen und stampfte 
kürzere Zeit, da ja der Samen schon auf den Ölgängen zer 
kleinert war. Gebrauchte eine derartig eingerichtete Ölmühle 
infolge des vermehrten Räderwerkes des Betriebes sowie der 
vermehrten Maschinen auch mehr Kraft als eine deutsche Öl 
mühle, so läßt diese doppelte gründliche Zerkleinerung der 
Samen doch den Schluß zu, daß die Holländer schon damals 
richtig erkannt hatten, daß die gehörige Vorbereitung der 
Saaten eine der wichtigsten Vorbedingungen für eine gute Öl 
ausbeute ist. 
Von Holland aus verbreiteten sich die 5Vindölmühlen auch 
über den Nordwesten Deutschlands, und zwar fanden sie sich 
besonders in den Küstenländern vor, weil dort erfahrungsgemäß 
die Winde viel gleichmäßiger wehen als in den Binnenländern. 
Die Wasserölmühlen bestanden entweder für sich allein oder, 
und das war in jener Zeit noch sehr häufig der Fall, verbunden 
mit Mehl- oder anderen Mühlen. Der Grund für letztere Er 
scheinung dürfte auf wirtschaftlichem Gebiete zu suchen sein. 
Wie ich schon früher festgestellt habe, erforderte nämlich die 
Anlage der Wassermühlen ziemlich umfangreiche und kost 
spielige Dammbauten, ja bei Flüssen mit geringem Gefälle 
häufig große Stauteiche. Derartige Anlagen sind natürlich nicht 
nur kostspielig in ihrer Errichtung, sondern erfordern auch 
größere Unterhaltungskosten. Es ist also wohl erklärlich, daß 
man ihre Kraft nach Möglichkeit ganz auszunutzen suchte. Nun 
es aber häufig vor, daß eine Mehlmühle nicht genügend 
Mahlgäste hatte, um die ihr zur Verfügung stehende Wasser-
	        
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