42 I- DieLage der Ölmüllerei in Preußen vorEinführung derGewerbefreiheit.
Vergleicht man die hier theoretisch gefundenen Zahlen mit
den tatsächlich als Leistung einiger Ölmühlen bei Schriftstellern
der damaligen Zeit angegebenen, so findet man, daß erstere
durchschnittlich zu hoch gegriffen sind. So erfahren wir z. B.,
daß in einer Ölmühle mit 8 Paar Stampfern in 24 Stunden 270
bis 280 Pfund Rüböl gewonnen wurden 22 ), was ungefähr einer
Samenmenge von 11 Scheffeln entspräche. In einer anderen Ölmühle
mit 9 Paar Stampfern wurden sogar durchschnittlich täglich
nur 9 Scheffel verarbeitet, und in einer andern 23 ) mit 10 Paar
Stampfern täglich 12—15 Scheffel Saat, wobei die Arbeitszeit
mindestens 16 Stunden betragen haben dürfte. Diese geringeren
Leistungen müssen in erster Linie darauf zurückgeführt werden,
daß die in obiger Tabelle errechneten Zahlen technisch vollkommene
Stampfwerke (so weit diese in jener Zeit überhaupt
hergestellt werden konnten) als Voraussetzung haben und Zeitverluste
bei der Arbeit außer acht lassen. Um 1800 jedoch ließen
wohl die meisten in Betrieb befindlichen Stampfwerke was Vollkommenheit
der Konstruktion anbelangt noch sehr viel zu
wünschen übrig und auch von einem richtigen Ineinandergreifen
der einzelnen Arbeiten konnte meistens kaum die Rede sein.
Auch wurde sehr häufig der Samen nicht nur ein bzw. bei den
fetten Ölen zweimal ausgepreßt, sondern zwei- bzw. dreimal, damit
man ja alles Öl erhielte. So kam es, daß trotz der sehr langen
Arbeitszeit von meistens 12—18 Stunden dennoch nicht die oben
angegebenen Zahlen erreicht wurden.
Über die Unkosten, welche mit dem Betriebe einer Ölmühle
verbunden waren, gibt uns Gassers „Einleitung zu den ökonomischen
Wissenschaften“ 24 * ) einigen Aufschluß, in welcher der
Pachtanschlag einer in der Nähe von Halle gelegenen Wasserölmühle
mitgeteilt wird. Diese Ölmühle arbeitete mit neun
Stampferpaaren und war durchschnittlich jährlich 26 Wochen in
werden, doch mußten dieselben wegen ihres größeren Ölgehaltes zweimal
gepreßt und zerkleinert werden. Aus diesem Grunde dürfte die täglich
verarbeitete Menge bei beiden ungefähr gleich gewesen sein.
22 ) F. L. v. Cancrin, „Kleine technologische Werke“. Marburg 1799.
Bd. VI, Abhandlung 3, S. 126.
23 ) Krünitz 1. c. Teil 104, S. 486.
24 ) Halle 1729. Kapitel IX, § 9 und 10. Dieser Pachtanschlag stammt
demnach bereits aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts; infolge der
Stabilität der damaligen Verhältnisse dürften jedoch seine Angaben auch
noch für die uns hier beschäftigende Zeit zutreffend sein.