54 II. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
Auch der Konsum von Speiseöl steigerte sich in dieser Zeit, da
sich die Bevölkerung nach dem glücklich geführten Kriege schnell
vermehrte und die Lebenshaltung aller Bevölkerungsschichten
eine bessere wurde. Weit größer aber als der vermehrte Absatz
der Öle zu Speisezwecken und zum Gewerbebetriebe war
die Steigerung des Verbrauchs der Öle zum Brennen. Der Grund
hierfür lag einerseits in Verbesserungen, welche sowohl in der
Konstruktion der Lampen wie auch in der Reinigung der Öle erzielt
wurden, andererseits in der schon vorher erwähnten höheren
Lebenshaltung aller Bevölkerungsschichten, welche erst die allgemeine
Verbreitung dieser Verbesserungen möglich machte.
Durch Jahrtausende hindurch hatte man sich trotz ihrer
großen Mängel mit der aus der Antike überlieferten Form der
Öllampe begnügt, bei welcher ein runder Docht in einem Ölbehälter
lag und etwas seitlich durch eine Öffnung heraustrat.
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelang es, diese Lampen
durch Einführung der röhrenförmigen Dochte (durch Argand
1789) und der Lampenzylinder (ebenfalls durch Argand) sowie
durch künstliche Erleichterung des Ölzuflusses (Carcel-Lampe
1780) wesentlich zu verbessern 17 ).
So bedeutend aber diese Erfindungen an sich auch waren,
so waren sie doch nicht vollkommen, so lange es nicht gelang,
die zum Brennen benötigten Öle besser zu reinigen. Beim Verbrennen
des nur oberflächlich gereinigten Öles verstopften sich
nämlich nach wie vor infolge Ablagerung von Kohle sehr bald
die Poren des Dochtes, was Verkohlen der Dochtspitze und
Rußen der Lampe zur Folge hatte. Notwendigerweise mußten
also die obigen beiden Erfindungen eine dritte nach sich ziehen,
nämlich eine vollkommenere Methode zur Reinigung des Brennöles,
durch welche eine Verstopfung der Poren des Dochtes verDarstellung
des Handels usw.“ IV. Bd., S. 500. Nach Riemerschmied,
„Die deutsche Seifenindustrie“. München 1910. S. 25 ff. finden im 3. Jahrzehnt
des 19. Jahrh. die vegetabilischen Öle überhaupt erst Eingang in
die Seifenindustrie. Aus verschiedenen Bemerkungen bei zeitgenössischen
Schriftstellern (Beckmann, Krünitz, Poppe u. a. m.) geht nun aber hervor,
daß auch schon in früheren Jahren die Öle als Rohmaterialien bei der
Seifenfabrikation benützt wurden. Immerhin dürfte erst zu der von Riemerschmied
angeführten Zeit die Benutzung vegetabilischer Öle eine ausgedehntere
und allgemeine geworden sein.
1T ) Näheres in: Dr. Lunge, „Beleuchtung sonst, jetzt und einst“.