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Verteilung
des Risikos
beim Waren-
geschäft.
Kaffee-
termin-
veschäft.
können; er hat damit noch eine Gewinnchance erlangt. Da aber bei
ainer großen Staatsanleihe von ein paar hundert Millionen Mark die
Zahl der Personen, die in der Lage unseres Beispiels sind, sehr groß
sein müßte, werden durch die Differenzgeschäfte bedeutendere Kurs-
schwankungen und damit auch erheblichere Verluste verhindert. Es
haben nicht nur die Einzelnen einen Nutzen davon, sondern auch die
Gesamtheit.
Bei dem Warengeschäfte liegen die Verhältnisse ganz ähnlich.
Ein Berliner Kaufmann hat von Mähren und Schlesien einen größeren
Posten Weizen gekauft, der auf der Oder verschifft wird und langsam
Berlin zuwandert, inzwischen gehen die Preise in Berlin herunter,
während sich im Auslande über Stettin höhere Preise erlangen lassen.
Der Verkäufer bietet deshalb die Differenz an, um nicht nach Berlin
.jefern zu brauchen. Der Berliner Kaufmann ist natürlich froh darüber,
denn es lag die Gefahr vor, bei der Ueberfüllung des dortigen Marktes
durch die Ladung den Preis noch mehr zu drücken. Er bezieht die
Differenz als Gewinn und kann seinen Bedarf an Ort und Stelle
billiger decken. Der Verkäufer erlangt dagegen durch seinen Verkauf
äiber Stettin eine höhere Einnahme als jene Differenz war. Volkswirt-
schaftlich war dieses Vorgehen berechtigt, weil eine Ueberfüllung in
Berlin verhindert wurde, und das Getreide dorthin gelangte, wo ein
Bedarf dafür vorlag.
Als drittes Beispiel wählen wir ein Termingeschäft in Kaffee.
Ein Hamburger Kaufmann hat eine große Schiffsladung aus Java
anterwegs. Die Preise beginnen herunterzugehen, so daß er fürchten
muß, der ihm dadurch drohende Verlust überschreitet seine Leistungs-
(ähigkeit, während er auf der anderen Seite immer noch hofft, daß
3ich die Preise bald wieder heben werden. Er sucht deshalb Deckung
durch ein Termingeschäft, indem er die halbe Ladung für den Moment
des Eintreffens derselben zu dem zu erlangenden Preise verkauft.
Gehen nun auch die Preise weiter herunter, so trifft dieses nur noch
die halbe Ladung. Das Risiko ist zur Hälfte auf andere Schultern
abgewälzt. Besonders wichtig aber ist für ihn, daß er seine Javaware
feinerer Qualität in der Hand behält, während es sich bei einem
Termingeschäfte um eine mindere Qualität handelt, die gar nicht ge-
liefert zu werden braucht. Er kann deshalb seinen Kaffee zum "Teil
in Havre verkaufen, zum Teil in London und ihn dort absetzen, wo
er die höchsten Preise erlangen kann. Die Gewinnchancen, die in den
von ihm gewählten Sorten liegen, bleiben ihm ungeschmälert. Der
Warenumsatz wird durch diese Spekulation gar nicht berührt. Der
Terminhandel, der ihm Rückendeckung schaffte, ermöglichte ihm eine
Ausdehnung des Geschäftes, die ihn sonst leicht ruinieren konnte.
Das Geschäft wurde für ihn ein gefahrloseres, solideres. Wie die
Aeltesten der Kaufmannschaft Hamburgs in einer Petition zum Schutze
des Kaffeeterminhandels an‘ den Reichstag auseinandersetzten (s. auch
Bayerdörfer, Der Kaffeeterminhandel, Jahrb. für Nationalökon., 3. F.,
Bd. I, 1891), war es Hamburg nur durch die Heranziehung des Termin-
handels möglich gewesen, den Kaffeehandel mehr und mehr bei sich zu
konzentrieren und ihn von Havre in höherem Maße abzuziehen, und
so der Centralmarkt für Deutschland zu werden, während bis dahin
Havre drohte der Vorort für den europäischen Kaffeemarkt zu werden.
Nbenso legten sie dar, daß Hamburg sicher die Ueberlegenheit wieder