— 209 —
einbüßen würde, sobald man ihm den Terminhandel nähme, dadurch
den großen Umsatz erschwerte und gefahrvoller machte.
Man weist nun vielfach auf die Größe des Papierumsatzes hin,
der allerdings den realen Umsatz bedeutend zu übersteigen pflegt. Man
hat berechnet, daß im Termingeschäfte in einem Jahre wohl das dreißigfache
an Santoskaffee umgesetzt ist, als überhaupt auf der Erde geerntet
wurde, und Aehnliches ist für das Getreidegeschäft konstatiert.
Es liegt dann der Gedanke nahe, daß infolgedessen die thatsächliche
Ernte für die Preisbestimmung bedeutungslos sein müßte. Das ist
aber durchaus falsch; bleiben wir bei unserem letzten Beispiel. Der
Kaufmann, welcher die halbe Schiffsladung Kaffee an der Hamburger
Börse im Termingeschäfte verkaufte, setzte diese an einen Börsenspekulanten
ab, der selbst gar keinen Speicher hat und die Ware gar
nicht kaufen kann. Er will vielmehr allein an Preisschwankungen profitieren.
Sobald er daher Jemanden findet, der ihm schon am nächsten
Börsentage zu einem etwas höheren Preise den Kaffee abnimmt, so
schlägt er ihn auch los und begnügt sich mit dem Gewinn der Preisdifferenz.
Ebenso macht es der Abnehmer, und so geht dieselbe
Schiffsladung an einem Börsentage häufig durch mehrere Hände und
wechselt während. der 6-—8 Wochen bis zur Ultimoregulierung vielleicht
10, 20, 30 Mal den Besitzer. Die Grundlage aber hierfür bleibt dieselbe
Schiffsladung, die in den Ziffern des Terminhandels drei, vielleicht
dreißig Mal vorkommt, daher diese Zahlen das dreißigfache Quantum
aufweisen. Der Terminhandel stützt sich mithin durchaus auf den realen
Handel, er hat keinen anderen Ausgangspunkt,
Aus dem zuletzt Gesagten geht bereits hervor, daß der Terminhandel
auf einer weiteren Ausbildung der Arbeitsteilung beruht. Dem
Kaufmann, der mit reeller Ware handelt, treten wiederum als Abnehmer
der Ware Kaufleute gegenüber, und sie finden sich an der
Börse zusammen, Sie machen Zeit- und Lieferungsgeschäfte für bestimmte
Fälle des Warenbedarfes, aber auch zugleich reine Spekulationsgeschäfte
unter Benutzung des Terminhandels. Außerdem aber kommen
noch reine Börsenspekulanten hinzu, die von der Ware selbst vollständig
absehen und nur aus den Preis- und Kursschwankungen Gewinn
zu erzielen suchen, also dem eigentlichen Kaufmann entgegenzustellen
sind. Auch diese Klasse der Händler erfüllt eine wesentliche
wirtschaftliche Aufgabe. Sie tritt da ein, wo ein realer Abnehmer der
Ware nicht zufinden ist. Sie macht ein Geschäft daraus, den Kaufleuten
einen Teil des Risikos abzunehmen, und muß dafür natürlich
auch entsprechend entschädigt werden; sie bildet die Kraft, die das
Böse will und das Gute schafft.
Ganz besonders hat man gemeint, daß der Terminhandel in Getreide
schädlich wirke, und einseitig zu gunsten der Spekulanten bald
die Preise zum Schaden der Landwirte zu sehr erniedrige, bald zum
Schaden der Konsumenten zu sehr erhöhe. Die Statistik giebt hierfür
durchaus keinen Anhalt, bezeugt vielmehr das Gegenteil, wie die schon
erwähnten Untersuchungen Cohns, wie dann unsere eigenen über die
Monatspreise des Brotgetreides und den engen Zusammenhang der
Preise der verschiedenen Börsen ergeben.
Es ist bei den Landwirten eine sehr allgemein verbreitete Ansicht,
daß die Preise in der ersten Zeit nach der Ernte künstlich von den Kaufjeuten
gedrückt werden, um das Getreide billig in die Hand zu bekommen,
und sie gegen Ende des Erntejahres übermäßig zu erhöhen.
MNonrad. Grundrifs der volit. Oekanomie. IL Teil 4 Aufl. '4
etreidetermin-