thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

220 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel. 
Beheim im 15. und Jörg Grünewald im 16. Jahrhundert gewesen 
waren, im Laufe des 16. Jahrhunderts von Hofmusikern als 
Vertretern des mehrstimmigen Gesanges und auch der Instru⸗ 
mentalmusik abgelöst wurden. Die fürstlichen Kapellen konnten 
in dieser Zeit schon recht bedeutend sein; so bestand die bayerische 
Kapelle zu Roland de Lassus' Zeiten aus 30 Instrumentalisten, 
ferner 12 Bassisten, 5 Tenoristen, 183 Altisten, 16 Kapellknaben 
und 83 oder 6 Kastraten, und aus dem Jahre 1569 wissen wir 
von einer Gesamtzahl von 61 erwachsenen Mitaliedern und 
18 Chorknaben. 
Freilich war dabei, wie auch diese Verzeichnisse ergeben, 
jede Musik von höherer Kunst bis zum Ende des 16. Jahr⸗ 
hunderts noch immer ganz oder fast ausschließlich Gesanges— 
musik. Gewiß gab es eine große Anzahl von Instrumenten, 
der Art nach sogar mehr als heute, aber sie zeigten der Haupt⸗ 
sache nach in der Tonbildung noch keine genügende Vollendung; 
die Geigenbaukunst hat erst im 17. Jahrhundert gute Ergeb⸗ 
nisse geliefert, von den Cremonesischen Amatis bis auf Antonio 
Stradivari, und die Blasinstrumente sind gar noch bis ins 
18. Jahrhundert hinein sehr wenig tonrein gewesen. Außerdem 
aber war vor der Mensuralmusik wohl schwerlich an irgend⸗ 
eine mehrstimmige Instrumentalmusik zu denken gewesen, die 
höhere Anforderungen befriedigt hätte. Denn erst die Mensural⸗ 
— ——— sie ihnen eigene Dauer und 
eigene Höhe verlieh, von dem Verstakte und dem Wortton der 
Dichtung und damit vom Gesange unabhängig. War nun dies 
der Ursprung jeder kunstmäßigeren mehrstimmigen Instrumental⸗ 
musik, so begreift es sich, daß deren Ausbildung zunächst an 
die Entwicklung des Mensuralsystems geknüpft blieb. Hier 
aber konnte ihr zunächst kaum etwas anderes zufallen, als die 
Rolle der Begleitung von Gesangsstimmen in kontrapunktischem 
Gegensatze. In der Tat ist die kunstmäßige Instrumental⸗ 
mufik fast das ganze 16. Jahrhundert hindurch auf diese Auf⸗ 
gabe beschränkt geblieben, soweit es sich nicht gar um eine Be⸗ 
gleitung bloß im Unisono oder in der Oktave handelte: von 
diner weiteren Entwicklung ist nicht die Rede.
	        
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