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tanz ihrer ersten Begeisterung überlebte nicht den ersten Sonnenunter
gang. Die liberale Periode hat nie die Brüderlichkeit verwirklicht,
denn diese ist nicht dort heimisch, wo bloß politische Freiheit, sondern
dort, wo auch wirtschaftliche Freiheit herrscht. Brüderlichkeit heißt
nicht der negative Zustand des Friedens, in dem jemand mit seinem
Nachbarn lebt, sondern sie ist der positive Zustand des zusammenwir
kenden Fleißes, des gemeinsamen Schaffens. Sie ist der Segen, der sich
über die Menschen ausbreitet, wenn die menschliche Solidarität ihr
Reich errichtet. Auch die Brüderlichkeit muß von einer wirtschaft
lichen Organisation getragen werden.
So wird der sozialistische Staat die Wünsche der Demokratie er
füllen. Gleich dem Polarsterne, sind auch sie durch alle Wechsel der
Zeiten unverrückt geblieben. Der moderne Demokrat, der seine Hoff
nungen und Lehren wie eine glänzende Gestirnkonstellation am dunk
len Himmel aufgehen sieht, ist vielleicht nicht darauf vorbereitet, in
den Schriften der Alten die Beweise zu finden, daß dasselbe Sternbild
auch schon sie durch die stürmischen Gewässer ihrer Politik geführt
hat. Und doch war dem so. Über die Berechtigung der Sklaverei,
über den Umfang der Gewalt, auf den das Volk einen natürlichen An
spruch hat und über die Rechtfertigung des Eigentumsbesitzes mögen
wohl die Meinungen auseinandergehen, es sind die Unterschiede der
Zeit und der Umstände. Aber die Ideale, die die Menschen neue Be
dingungen schaffen und Reformen einführen ließen, Ideale, die sie in
den Kampf und zur Revolte trieben, sind beständig geblieben wie ein
Leuchtfeuer, das durch alle Zeiten lodert. Der Zweck des Staates ist
nie Reichtum gewesen, noch militärische Größe, noch Macht, noch
Klassenherrschaft. „In Wahrheit ist der Zweck ihrer Vereinigung, ein
gutes Leben zu führen, nicht bloß zu leben", und „es ist offenbar,
daß ein Staat, der nicht nur dem Namen nach, sondern in des Wortes
wirklicher Bedeutung ein Staat ist, seine Aufmerksamkeit der Tugend
widmen sollte“. Dieses Ziel setzte sich Aristoteles. Die Zeiten sind
gekommen und gegangen. Auf vielen Wegen hat man dieses Ziel ge
sucht, und vielen Wegweisern ist man gefolgt, um es zu finden. Noch
heute blicken wir danach aus. Von dem Wunsche beseelt, es zu er
reichen, haben wir Prinzipien verkündet, Agitationen geführt, viele
„ismen“ proklamiert und viele Programme aufgestellt. Wir sind fort
geschritten, aber am Ziele sind wir noch nicht. Der Sozialismus ist