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Aus diesen Zahlen ist deutlich zu sehen, wie das Martin-
verfahren immer weiteren Fuß faßt und dem Thomasver
fahren scharfe Konkurrenz macht. Während im Jahre
1900 der nach dem letzen Verfahren hergestellte Stahl
noch 62,32 °/ n und der Martinstahl 32,28 °/o der gesamten
deutschen Stahlerzeugung ausmacht, hat sich das Bild im
Laufe von 10 Jahren wesentlich verschoben. Zwar be
trägt die Tonnenzahl der Rohblöcke aus Thomasstahl 1911
das Doppelte derjenigen des Jahres 1900, aber der Anteil
an der Gesamtstahlproduktion beläuft sich nur mehr auf
58,07 %. Anders der Martinstahl; nicht nur daß 1911
über l l / 2 Millionen Tonnen mehr als das Doppelte von
1900 hergestellt wurden, sondern auch der prozentuale
Anteil an der ganzen Stahlerzeugung stieg erheblich. Von
32,28 % stieg er auf 38,86 %, also über 6 %• Dazu
kommt noch, daß das Metall zum Stahlformguß in der
Hauptsache auch in Martinöfen hergestellt wird. Der
Bessemerstahl nimmt bei der Gesamtflußstahlproduktion nur
noch eine untergeordnete Stelle ein. Während bis zum
Jahre 1905 wieder ein langsames Wachsen zu verzeichnen
war, ist seitdem ein rapides Fallen der Erzeugungsmengen
zu bemerken. 1911 betrug der Anteil des Bessemerstahles
an der Gesamtproduktion nur noch 1,26 °/ 0 .
Entsprechend der Zunahme der Martinstahlerzeugung
stieg auch die Anzahl der Martinöfen. Im Jahre 1880
finden wir im deutschen Zollgebiet 12 Siemens-Martinöfen,
die ein Fassungsvermögen von 3—10 t pro Ofen hatten.
Basisch zugestellte Oefen waren überhaupt keine vorhan
den. Während nun die Anzahl der saueren Oefen sich
bis zum Jahre 1900 bloß um 11 vermehrte, waren zu gleicher
Zeit 219 basische Oefen im Betrieb, die einen Fassungs
raum von 4—30 t auf wiesen. In den zahllosen Eisen- und
Stahlgießereien findet der Martinofen auch Verwendung,
wenn auch dort nur solche mit kleinerem Fassungsvermögen.