Object: Geschichte des öffentliche Kredites

3.4. 
Städtische Kreditformen, 
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Städten kann geradezu von einer systematischen Konversionspolitik gesprochen werden, 
die zur Erleichterung der städtischen Rentenlasten je nach den Verschiebungen der 
Marktkonjunktur durch Verkauf von Leibrenten die Mittel zur Ablösung der Zeitrenten 
oder vice versa aufbringt. 
Materiell gesichert, fundiert, wurden die Forderungen der Rentengläubiger ur- 
sprünglich durch Bestellung von Pfandrechten, zunächst an einzelnen städtischen Im- 
mobilien, seit Ausgang des 13. Jhs. auch an Geldgefällen aller Art. In diesem frühern 
Stadium der Geschichte städtischer Rentenschulden kommt der später so schwer zu 
umschreibende Unterschied zwischen schwebender und fundierter Schuld in der Be- 
zeichnung selbst wörtlich zum Ausdruck: „fundiert‘“ ist die Schuld, sobald sie vertrags- 
mäßig als Rente aus einem Grundstück oder einer dauernde Nutzungen abwerfenden 
Rechtsame konstituiert ist. Die Ueberlassung der Pfandobjekte zur unmittelbaren Nutzung 
an die Gläubiger tritt mehr und mehr zurück gegenüber der Verwaltung und Nutzung 
verpfändeter Rentenquellen durch die Stadt selbst, bis schließlich die Pfandbelastung 
einzelner Immobilien oder Rechte ganz unterbleibt, die spezielle Fundierung durch eine 
allgemeine („ab der Stadt Allmende und Einkommen“, „supra villam“, „sur le corps 
de la ville“ usw.) verdrängt wird. Diese allgemeine Fundierung wird zur weitern, vom 
Rat immer nur widerstrebend gewährten Sicherung der Gläubiger ergänzt durch das 
diesen eingeräumte Recht, bei Verzug der Stadt in der Erfüllung ihrer Rentenschulden 
die fälligen Beträge auf Kosten der Stadt bei Juden oder Christen aufzunehmen; den 
Schaden (Zins) soll die Stadt richten und bezahlen. 
Als Beispiel für die durch die Einbürgerung der Rentenschuldformen möglich ge- 
wordene Intensität des Kreditgebrauches sei die eine Tatsache angeführt, daß Basel im 
Zeitraume zwischen 1361 und 1501 nahezu ein Viertel des gesamten öffentlichen Bedarfes 
durch Rentenverkäufe hat aufbringen können. Weil aber die Städte meist mit dieser 
intensiven Benützung des Kredites nicht auch eine zur Schuldentilgung hinlängliche 
Besteuerung zu verbinden und in der Erhöhung der Schuldenlast kein Maß zu halten wuß- 
ten, konnte bei wachsender Zerrüttung der Finanzen in immer zahlreicheren Städten der 
Zusammenbruch der städtischen Kreditwirtschaft und der Einfluß dieser Erschütterung 
auch auf die Formen des öff. Kredites der Städte nicht ausbleiben. Der schon vor Ablauf 
des 16. Jhs. einsetzende, mit Ablauf des 17. Jhs. beendete Umbildungsprozeß ist in 
den deutschen Städten durch die Kriegswirkungen beschleunigt und potenziert worden. 
Die fortwährenden Konversionen aus einer Rentenart in eine andere hatten längst die 
Gläubiger aus ihrer Ruhe aufgescheucht; die den Städten im Gefolge des Krieges über- 
bürdeten Lasten führten dann auch dort zur Einstellung der Zahlungen, wo bei ruhiger 
Fortentwicklung eine allmähliche Sanierung möglich gewesen wäre; die in den Kriegs- 
wirren abhanden gekommenen Titel zeitigten unkontrollierbare Rechtsverhältnisse und 
mit diesen bei den Verwaltungen auch die Tendenz, die Kontrolle der Rechtsgültigkeit 
der Forderungen als willkommenes Mittel zur Reduktion der städtischen Verpflich- 
tungen zu handhaben; das von der Reichsgesetzgebung und durch die Rechtsprechung 
des. Reichskammergerichtes proklamierte, in Moratorien, Zinsnachlässen und Kapital- 
reduktionen sich auswirkende Prinzip des Schuldnerschutzes schwächte die frühere 
Vorliebe der Anlagesuchenden für die städtischen Renten; die im 16. Jh. hochentwickelte 
Zirkulationsfähigkeit der Rententitel wich immer größeren Erschwerungen ihrer Reali- 
sierbarkeit, je häufigere Anwendung auch auf Stadtrententitel die lex anastasiana fand, 
nach welcher der Käufer einer Forderung vom Schuldner nicht mehr fordern durfte, 
als er selbst für deren Abtretung bezahlt hatte. All diese Momente beförderten die im 
Zuge der Rechtsentwicklung ohnehin liegende Verdrängung der Rentenform durch kurz- 
fristige oder wenigstens beidseitig kündbare Kreditformen. Die Leibrente verlor schon 
im 16. Jh. immer mehr an Bedeutung, und wie im Mittelalter die Ewigrente durch Um- 
bildung zur Wiederkaufsrente den Charakter einer ablösbaren, doch nur seitens des 
Rentenschuldners kündbaren Schuld erhalten hatte, so setzt sich nun, durch Einräu- 
mung des Kündigungsrechtes auch an den Gläubiger, dieser Umbildungsprozeß fort. 
Waren schon im 16, Jh. zu den Rentenschulden wieder in größerm Umfange beidseitig 
kündbare Zinsgelder getreten, so wird nach dem Kriege der einfache Darlehenskredit 
gegen Handschrift, häufig auch gegen Unterpfand, zur üblichsten Form des städtischen
	        
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