78
deutschland ist das neue Martinverfahren mit ganz weni
gen Ausnahmen noch so gut wie gar nicht vertreten.
Diese Ausnahmestellung Westdeutschlands erklärt
sich daraus, daß heute ein Zwang zur Einführung des
neuen Verfahrens hier noch nicht wie in den Vereinigten
Staaten und England vorliegt.
Vorläufig genügen unsere Stahlerzeugnisse, beson
ders unser Martinstahl, sämtlichen Qualitätsanforderungen
und brauchen keine Konkurrenz zu scheuen, zumal der
nach dem neuen Martinverfahren hergestellte Stahl bezüg
lich seiner Qualität den nach dem Schrottverfahren pro
duzierten keineswegs übertrifft. Um nun auf jeden Fall
zu einem Kampfe gerüstet zu sein, haben fast sämtliche
größeren Martinwerke von Niederrheinland und Westfalen
in ihren Betrieben Vorkehrungen getroffen, die es ge
statten, auch nach dem neuen Verfahren arbeiten zu
können, falls die zwingende Notwendigkeit hierzu ein-
treten sollte.
Wenn bei diesen Werken eventl. Pläne bestanden
haben sollen, ihren Stahl augenblicklich nach dem flüssigen
Verfahren herzustellen, so haben sie unbedingt an Inte
resse verloren, seitdem die Schrottpreise so gesunken
sind. Heute schlägt die Wage der Rentabilität entschie
den zu Gunsten der Werke aus, die nach dem Schrott
verfahren arbeiten.
Daß das Martinverfahren in Deutschland auf die
Dauer eine größere Verbreitung gewinnt als das Thomas
verfahren, liegt klar zu Tage, es handelt sich nur darum,
ob das alte oder das neue in Zukunft vorherrscht, Dies
wird stets nur eine reine Preisfrage bleiben. Bezüglich
des Produktes liegt kein Grund vor, dem einen den Vor
zug vor dem anderen zu geben, es kann sich bloß um die
Wirtschaftlichkeit handeln und da bei beiden die Betriebs
kosten fast gleich sind, nur um die Kosten der Rohstoffe.