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Drittes Buch.
Der Liberalismus.
Wir müssen jetzt zu der klassischen Nationalökonomie, die wir
verlassen haben, zurückkehren. Was tat sie während dieser ganzen
Zeit, in der soviel Gegner gegen sie kämpften? Tot war sie nicht,
sie sammelte nur ihre Kräfte. Nach den großen Büchern eines
Eicaedo, eines Malthus und eines J.-B. Say, die im Anfang des
Jahrhunderts erschienen waren, war die volkswirtschaftliche Lite
ratur sicherlich, besonders in England, nicht versiegt; sie hatte
jedoch nichts hervorgebracht, das sich mit den Werken der ersten
Meister vergleichen ließe oder an ihre geistreichen Kritiker heran
reichen konnte. Sie sollte aber von neuem die Gunst der öffent
lichen Meinung gewinnen und, wie man eine Zeitlang glauben konnte,
die Einheit in den Ansichten wieder hersteilen.
Zwar war es noch keine wirkliche Einheit, denn in dem Augen
blick, von dem wir sprechen, beginnt die klassische Schule schon,
sich in zwei Schulen zu spalten, die englische und die französische.
Allerdings sind sie keineswegs Kivalen, denn sie verteidigen beide
das gleiche Banner. Gemeinsam beschützen sie die grundlegenden
Prinzipien und vor allem den Liberalismus — oder, wie man auch
sagt, den Individualismus. Während jedoch die erstere mit Stuart
Mill den heftigen Kritiken, die sich von allen Seiten erhoben, ein
sympathisches Ohr lieh und sich bemühte, die alten Theorien mit
den neuen Gedanken in Einklang zu bringen, strebte die zweite im
Gegenteil mit Bastiat danach, eine Gegenwirkung zu erzielen, indem
sie immer stärker den Glauben an die natürliche Ordnung und an
das laisser-faire. betonte.
In Wahrheit geht dieser Unterschied zwischen den beiden
Schulen auf die Ursprünge der Wissenschaft zurück. Schon zwischen