3
Welche Art der Werthaltung ist nun aber wieder der Akt der
spezifischen Sinngebung? Und erlangt das Geld überhaupt durch
eine bestimmte Art der Wertschätzung seine Bedeutung, oder ist
nicht seine Beliebtheit umgekehrt die Folge davon, daß es Geld
ist? Wir schätzen am Goldstück den Glanz, am Papier die Sauber-
keit, und doch hängt es offenbar nicht von dem Glanz und der
Sauberkeit der Gegenstände ab, ob sie Geld sind; auch die ver-
blichene Münze, der schmutzstarrende Schein braucht den Geld-
charakter nicht verloren zu haben. Bei schärferer Überlegung
kommen wir zu dem Ergebnis, daß wir es den Münzen und
Scheinen überhaupt nicht ansehen können, ob sie Geld sind —
es sei denn, daß wir dessen Merkmale schon kennen —, und daß
auch die tatsächliche Wertschätzung des Geldes das Vorwissen
um seinen Geldcharakter bereits voraussetzt. Wir werten das
Geld entsprechend seiner Geltung; nicht gilt es durch die bloße
Wertschätzung (vgl. die treffende Kritik Bendixens — In-
Nationsproblem, S. 21 fig. — an dem Diehlschen Metallismus). Man
muß von dem Wert des Geldstoffes, auch von der staatlichen Sank-
tion zunächst absehen, wenn man zu dem Wesen des Geldes vor-
dringen will; denn auch die unschönen, ja selbst die unechten,
gefälschten Geldstücke und -scheine sind immer noch Geld, — so-
lange sie als solches gebraucht werden. Nicht vom Äußeren
oder von der urkundlichen Echtheit her erschließt sich der Sinn
des Geldes, sondern in seinem Gebrauch, Nach Knapp ist das
Geld „ein Geschöpf der Rechtsordnung“. Die Falschmünzerei in-
des bedeutet gerade einen Bruch dieser Ordnung; der Taler ist
ein productum sceleris, Trotzdem kann er Geld sein, wie die Er-
fahrung zeigt. In keiner Weise wird das echte vom unechten
Geld unterschieden, bevor sein Mangel von den Hütern der ver-
jetzten Rechtsordnung entdeckt und bekannt gegeben ist. Mit
dieser Bekanntmachung aber — und erst recht mit seiner Ein-
ziehung — hört der falsche Taler auf Geld zu sein, da er nun
als solches nicht mehr brauchbar ist. Der bewußte Gebrauch der
falschen Münze ist mit der Gefahr der Bestrafung verknüpft, und
Jamit hat sie ihre Rolle ausgespielt.
Der Sinn des Geldes also — seine Brauchbark eit; die
spezifische Rolle, die es als Werkzeug menschlichen Handelns
spielt, macht seine Eigenart aus. Und zwar sind es insbesondere
zwei Verhaltungsweisen, welche das Geld zum begrifflichen Korrelat
haben, sich ihm gegenüber als sinngebend erweisen: das Rechnen
ınd das Zahlen.