11. Kapitel. Beeinflussung der Arbeitsbedingungen durch Koalitionen. 273
Die Mitgliederzahl war:
1898 . . . 34009 Anfang 1900 . . . 34446
1899 . . . 28000 „ 1903 . . . 33431
In der Schweiz sind als hierher gehörige Organisationen zu nennen
der Schweizerische Stickereiverband, 1885 gegründet, und die Federation
horlogere, 1886 errichtet. Der Stickereiverband — „Zentralverband der
Stickereiindustrie der Ostschweiz und des Vorarlberges“ — will der
Überproduktion Vorbeugen, die Löhne bessern und die Stickereiindustrie
heben und auf gesunder Grundlage erhalten. Jeder Stickmaschinen
besitzer oder -Pächter und jeder Arbeitgeber der Stickereiindustrie
kann Mitglied werden. Der jährlich zusammentretenden Delegierten
versammlung liegt die oberste Leitung ob. Sie wählt das Zentral
komitee, das außer dem an der Stickereiindustrie nicht unmittelbar-
beteiligten Präsidenten 20 Mitglieder umfaßt. Durch die Bestimmung,
daß im Verbandsgebiete jeder geschäftliche Verkehr in bezug auf
Stickereien nur den Verbandsmitgliedern unter sich gestattet ist, hatte
der Verband fast alle Beteiligten an sich gezogen. Durch ein Ein
trittsgeld von 400 Frs. für jede neue Maschine — es handelt sich um
die nicht mechanisch betriebene Schweizer Ralimenstickmaschine, deren
Anschaffungspreis etwa 1 700—2000 Frs. beträgt —, durch Durch
führung des 11 stündigen Maximalarbeitstages, ferner durch Festsetzung
von Mindestlöhnen suchte der Verband die Überproduktion zu be
kämpfen und die Löhne angemessen zu gestalten. Im Interesse der
Hebung der Industrie war die Bildung eines „Industriefonds“ von
600000 Frs. zum Ankauf des Patents auf die amerikanische Dampf
stickereimaschine geplant, kam aber nicht zur Durchführung, weil in
einem von der Minderheit angestrengten Prozeß 1892 der betreffende
Beschluß für statutenwidrig erklärt wurde. Der Verband war auf
Betreiben der hausindustriellen Stickereiarbeiter entstanden. Die
Fabriksticker waren ausgeschlossen. Sie bildeten 1889 eine besondere
Vereinigung, die behufs Erlangung des Minimallohnes ein Kartell Ver
hältnis zum Verbände anstrebte. Das wurde auch erreicht; aber es
hatten sich hierbei große Interessengegensätze gezeigt. Ungünstige
Absatzverhältnisse auf dem wichtigen amerikanischen Markt nach Er
laß der Mac Kinley Bill kamen dazu, so daß 1891 und 1892 zahl
reiche Mitglieder austraten. Der Verband ist seitdem ohne Bedeutung.
Die Föderation horlogere trat 1886 ersichtlich unter dem Einfluß
des Vorbildes des Stickereiverbandes ins Leben. Die Organe waren
die jährliche Delegiertenversammlung und das Zentralkomitee, bestehend
aus einem unbeteiligten Vorsitzenden und 7 Mitgliedern. Der Verband
hatte es bald auf 12000 Mitglieder gebracht, konnte aber die inneren
Gegensätze nicht überwinden und ging Anfang der 90 er Jahre ein.
In Deutschland haben vor allem die Unternehmer und Arbeiter
van der Borght, Grundz. d. Sozialpolitik. 18