Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Reihe von Momenten bedingt war, so von dem Problem 
des Ausbaues der Wasserkräfte, von der Um- 
stellung der ganzen landwirtschaftlichen Pro- 
duktion und schließlich von dem Fremdenver- 
kehrsproblem, das für Tirol von geradezu grund- 
jegender Bedeutung ist. Der Ausbau der Wasserkräfte 
Tirols fand in den zehn Jahren durch das Achenseewerk 
sozusagen seine Krönung. Das Werk liefert auf einer 
Reihe von Hochspannungsleitungen bis zu 125.000 Volt 
glektrische Energie nicht nur an alle Konsumzentren 
Tirols einschließlich Innsbrucks, sondern auch an das 
Bayernwerk nach Bayern. Zusammen mit dem der Bundes- 
bahn gehörenden Ruetzwerk, das vergrößert wurde, hat 
das Achenseewerk die Finführung der elektrischen 
Traktion auf den Strecken Innsbruckk- Arlberg (Feldkirch, 
Buchs, Bregenz), Innsbruck-Brenner, Innsbruckk—-Wörgl— 
Kufstein (Bayern), Wörgl-Kitzbühel-Hochfilzen (Saal- 
felden, Salzburg) ermöglicht. Daß natürlich auch die 
industrielle, gewerbliche und landwirtschaftliche Produktion 
‚on dem Ausbau der Wasserkräfte Förderung und Nutzen 
arfahren hat, ist klar. Auf dem Gebiete des gewerblichen 
Organisationswesens ist Tirol geradezu führend vor- 
ıngegangen, indem es zuerst die Vereinigung der zwangs- 
zenossenschaftlichen und der freien Körperschaften in 
zine Arbeitsgemeinschaft durchgeführt hat. (Tiroler 
Handels- und Gewerberat.) 
Die allgemeine Lebensmittelnot hat nach Kriegsende 
lazu geführt, daß auch in Tirol alle jene Vorkehrungen 
getroffen wurden, welche eine größere Lebensmittelpro- 
duktion ermöglichen sollen. Diesem Zwecke dienen in 
erster Linie die Meliorationsarbeiten, welche hauptsächlich 
Ent- und Bewässerungen umfassen. So wurden in den 
Jahren 1918 bis 1928 72 Entwässerungen, welche eine 
“Jäche von rund 1930 Hektar und 9 Bewässerungen von 
240 Hektar umfassen, zur Ausführung gebracht. Diese 
Arbeiten erforderten eine Gesamtsumme von S 2,465.000, 
wobei der Kostenanteil pro Hektar entwässerter Fläche 
rund S 1200.— und jener an bewässerter Fläche S 680.— 
beträgt. An Bach und Flußregulierungen, welche in un- 
mittelbarem Zusammenhange mit Meliorationsarbeiten 
stehen, wurden 8200 laufende Meter mit einem Kosten- 
aufwande von S 562.000.— ausgeführt. 
Das gleiche Interesse wurde auch dem Bau von 
Wasserleitungen und Kanälen entgegengebracht, die ja 
die Vorbedingungen für einen regen Fremdenverkehr 
sind. Es wurden in dem angegebenen Zeitraume 36 
Wasserleitungen, die eine Länge von M2 km besitzen, 
mit einem Kostenaufwande von S 2,814.100.— geschaffen. 
Zur Bekämpfung von Bränden wurden an diese Leitungen 
413 Ueberflurhydranten angeschlossen. Kanalisierungen 
wurden in 4 Gemeinden mit einer Rohrlänge von 6200 m, 
die einen Kostenaufwand von S 420.000.— erfordert 
haben, erstelit. Die angeführten Arbeiten sind nach den 
Projekten und unter Aufsicht des Bauamtes ausgeführt 
worden. 
Nicht minder wichtig für die Förderung der Landes- 
gultur waren die Flußregulierungen und Wild- 
pdachverbauungen. Während des Weltkrieges ist nicht 
nur der bis dahin in kleineren Etappen betriebene Aus- 
bau der Innregulierung gänzlich ins Stocken geraten, 
sondern es wurde auch sogar die notdürftige Einhaltung 
der altbestehenden Bauwerke derart vernachlässigt, daß 
jich der Flußzustand vielerorts bedeutend verschlechterte 
ınd weite Uferstrecdken schutzlos den Einwirkungen der 
TJochwässer preisgegeben waren. Erst mit der Währungs- 
tabilisierung konnte an die volkswirtschaftlich so wich- 
igen Flußregulierungen geschritten werden. Vor allem 
zalt es nun die bereits eingetretenen ziemlich ausge- 
tehnten Schäden an den alten Bauwerken zu beheben 
ınd die gefährlichsten Ufereinbrüche abzubauen, bevor 
ın die weitere Fortsetzung des eigentlichen Regulierungs- 
verkes gedacht werden konnte. Ein weiteres Augenmerk 
vurde auf die Vorbereitung noch nicht regulierter Fluß- 
trecken für den Ausbau durch den Abbau örtlicher 
;ohlenhebungen gerichtet, die in manchen Strecken infolge 
ron großen Murabgängen in Seitenbächen entstanden 
varen und eine Versumpfung der Talsohle bewirkten. 
liefür wurde eigens ein mit besonders schweren Körben 
ınd Reißzähnen ausgestatteter Bagger beschafft; der 
um Beispiel in drei Wintern die Steinbarre vor der 
\lpbachmündung in Brixlegg durchbrach, welche Arbeit 
»ereits eine Absendung des Oberwassers in der Anschluß- 
itrecke bis zu I Meter erzielte. Solche Stellen sind im 
nn noch mehrere vorhanden, so daß fast allein durch 
\btrag dieser Talriegel ohne besondere Streckungen des 
"ußlaufes eine genügende Eintiefung der Sohle erzielt 
verden kann. Mit dem Winter 1925/26 kann die Be- 
1ebung all dieser Schäden als abgeschlossen betrachtet 
werden, so daß von diesem Zeitpunkte an, an den 
;ystematischhen Ausbau der Gesamtregu- 
ijerung in den Zwischenstrecken und flußabwärts Ratten- 
»ergs geschritten wurde. Hier sind es insbesondere die 
zroßen Innschleifen sowie die Verwilderungsstrecken, die 
rum Ausbau gelangen müssen, welche Arbeit zum Teil 
n den nächsten Jahren schon abgeschlossen werden 
vönnen. Im ganzen wurden seit 1922 bis 1928 rund 
5 5,200.000'— für die Wiederinstandsetzung und die 
"ortsetzung des Regulierungswerkes ausgegeben und 
‚steht für diesen Bauwinter weiterhin ein Betrag von 
5 1160.000'°— zur Verfügung. 
Auch die Wiederherstellungsarbeiten an den Drau- 
’egulierungsbauten wurden erst im Jahre 1926 be- 
zonnen, wobei für reine KFinhaltungsarbeiten bisher 
1926-1928) rund S 100.000'— und für Einleitungen von 
Neubauten rund S 220.000°— zur Verfügung standen, 
vährend für 1929 für ersteren Zweck zirka S 25.000°—- 
ınd für letzteren S 230.000'— bewilligt sind. Im Jahre 
928 wurde hier ein großer Dampflöffelbagger zur Durch- 
chlitzung von groben Schotterbänken samt dem nötigen 
iollbahnmateriale. sowie Baumaschinen für Beton- usw. 
\rbeiten beschafft und derzeit ist die Ausführung eines 
>eiderseitigen, je rund 400 Meter langen Leitwerkes samt 
ınschließender Sohlschwelle oberhalb der Station Thal 
n Arbeit. An einen geregelten, großzügigeren Ausbau 
ler Regulierung in dieser Strecke, für welchen im letzten 
ahre ein generelles Projekt verfaßt worden ist, kann 
ıber erst nach Verbauung der vielen Wildbäche, die seit 
014 bis heute unterbrochen ist, gedacht werden, doch 
ind die ersten Bauanträge hiefür bereits genehmigt. 
Die Arbeiten an den Wildbachregulierungen wurden 
arst nach Stabilisierung der Währung aufgenommen; erst 
‚on diesem Zeitpunkt war es dem Bund möglich, seine 
ährlichen Beitragsleistungen allmählich zu erhöhen, so 
laß im Jahre 19028 bereits mit einer Gesamtbaukosten-
	        
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