Object: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Religiöse Bewegung; Luther. 
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Kräfte oder Leistungen, sondern allein durch den Glauben. 
Diesem Glauben aber folgt die Liebe, und die Liebe erst thut 
alles gute Werk, denn sie ist des Gesetzes Erfüllung. Daraus 
siehst du, daß zu einer würdigen Feier der Messe nichts anderes 
erforderlich ist, als der Glaube. Ihm folgt alsbald von selbst 
die innigste Bewegung des Herzens, durch die der Geist des 
Menschen weit und fruchtbar gemacht wird, so daß er zu 
Christus, dem freundlichen und gütigen Testator, sich hingezogen 
fühlt und ein ganz anderer und neuer Mensch wird. 
Aber wie viele wissen denn jetzt, daß der Inhalt der 
Messe Christi Verheißung ist? Statt auf den Sinn, legt man 
allen Wert auf das äußere Zeichen, auf Brot und Wein der 
Sakramente; damit geht der Glaube unter, und Werke und 
Satzungen des Werks treten an seine Statt. Von da ist's 
weiter gegangen bis zu dem äußersten Maß des Unsinns, daß 
man erlogen hat, die Messe wirke in Kraft des äußerlichen 
Vollzugs: und auf diesen Sand hat man Zuwendungen, An—⸗ 
teilschaften, Bruderschaften, Seelmessen und dergleichen zahl⸗ 
lose Gewinn⸗ und Erwerbsgeschäfte gebaut und das ehrwürdige 
Testament Gottes der Knechtschaft ruchlosen Gewinns unter⸗ 
worfen. 
Was hier gilt, das gilt auch für die anderen Sakra— 
mente: das kirchliche Dogma betrachtet sie nicht als Symbol, 
als Zeichen der Verheißung, sondern hat ihnen eine objektiv 
wirksame Kraft der Rechtfertigung untergeschoben auf Kosten 
des persönlichen Elementes, des Glaubens: man hängt allein 
an dem Zeichen und an dem Gebrauch des Zeichens und zerrt 
ins vom Glauben ins Werk, und aus dem Wort ins Zeichen: 
dadurch hat man die Sakramente nicht nur gefangen, sondern, 
soviel das möglich, völlig abgethan. Nun sollen wir zwar 
diese Tyrannei thatsächlich ertragen, wie jede Gewaltthätigkeit 
der Welt. Allein die Päpste wollen darüber hinaus das Be⸗ 
wußtsein unserer Freiheit so verstricken, daß wir glauben 
sollen, alles was sie thun, sei wohlgethan, und es sei nicht 
erlaubt, es zu tadeln und ihres unbilligen Thuns uns zu be⸗ 
klagen, und während sie Wölfe sind, wollen sie als Hirten er⸗
	        
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