fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

$ 27. Der Zins in der sozialistischen Gesellschaft. ; 
8 27. Der Zins in der sozialistischen. Gesellschaft, 
Durch die vorgehende Untersuchung ist wohl erwiesen, daß der 
Zins eine notwendige Erscheinung unserer gegenwärtigen Tauschwirt- 
schaft ist. Man könnte indessen meinen, daß die Existenz des Zinses 
von den speziellen Formen unserer bestehenden Wirtschaftsordnung 
bedingt sei, daß also in einer von diesen Formen befreiten Tauschwirt- 
schaft der Zins möglicherweise wegfallen könnte. Es ist doch unver- 
kennbar, daß das Streben der Unternehmer, dauerhafte Güter in immer 
größerem Umfang für die Produktion in Anspruch zu nehmen, und die 
Neigung der Kapitalisten, bei niedrigem Zinsfuß ihr Kapital zu ver- 
zehren, auf die Gestaltung des Zinses einen wesentlichen Einfluß aus- 
üben, ja, wenn man so will, daß der Zins seine eigentliche wirtschaft- 
liche Aufgabe in der Begrenzung dieser Tendenzen hat. Es scheint 
dann nicht ganz undenkbar, daß eine Tauschwirtschaft, die weder das 
private Unternehmertum noch das Privateigentum an Kapital länger 
kennt, sich in bezug auf die Notwendigkeit des Zinses in einer ganz 
anderen Lage als unsere gegenwärtige Tauschwirtschaft befinden würde. 
Eine solche Vorstellung würde aber eine ganz schiefe Auffassung 
vom Wesen des Zinses bezeugen. Wir haben in unseren bisherigen 
Untersuchungen das Zinsphänomen in Zusammenhang mit den tat- 
sächlich gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen betrachtet. Dieses 
Verfahren ist für eine Darstellung, die vor allem die konkrete Wirklich- 
keit erfassen will, nur natürlich. Dabei mußte der Zins in Beziehung zu 
den Tendenzen, die sich in der Handlungsweise der Unternehmer und der 
Kapitalisten geltend machen, gesetzt, also auf Momente zurückgeführt 
werden, die von der speziellen Form unserer bestehenden Wirtschafts- 
ordnung abhängig erscheinen. Hinter diesen Tendenzen liegen aber 
Wesentlichkeiten des menschlichen Lebens, die, obwohl in modifizierten 
Formen, in jeder Tauschwirtschaft vorhanden sein würden. In der 
Hauptsache würde deshalb der Zins auch unter anderer Organisation 
der Tauschwirtschaft von denselben Kräften wie in der heutigen Wirt- 
schaft bedingt sein. Für eine richtige Auffassung der tieferen Natur 
dieser Kräfte und somit vom Wesen des Zinsproblems ist daher das 
Studium des Zinses in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung sehr 
nützlich. Ein solches Studium gibt außerdem die beste Gelegenheit, 
alte Wahnvorstellungen über die Natur des Zinses zu widerlegen. 
Die Voraussetzungen, die hinsichtlich der Organisation der soziali- 
stischen Tauschwirtschaft zu machen sind, sind früher näher angegeben 
($ 15). Auch in einer solchen Wirtschaft bleibt die wesentliche Eigen- 
tümlichkeit der Tauschwirtschaft bestehen, nämlich die Freiheit der 
Einzelwirtschaft in der Wahl ihrer Konsumtion innerhalb des Rahmens 
ihres Einkommens. Diese Freiheit der Konsumtion ist es in erster Linie, 
die einen Zins in jeder Tauschwirtschaft, somit auch in der sozialistischen 
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