Full text: Der Pommersche Landbund

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Aus der Preußischen Landesvccfammlung. 
Das gemeingefährliche Vorgehen des Pommers che n 
Land b und es hat auch zu einer Anfrage der Abgeordneten Schmidt 
(Cöpenick) und Hartwig (Stettin) in der Preußischen Land es - 
Versammlung geführt. Kollege Schmidt begründete in der Sitzung 
am 4. Februar diese Anfrage, und geben wir nachstehend seine Ausführungen 
auszugsweise bekannt: 
Schmidt (Eöpenick, Sozdem.): Meine Damen und Herren! Es ist 
in diesen Tagen in der Presse gesagt worden, die Maßregelungen von Land 
arbeitern, die ganz besonders in Pommern stattfinden, feien keine Aus 
nahmezustände. Wir wollen hier den Nachweis führen, daß es sich hierbei 
um Ausnahmezustände handelt. Meine Fraktion und ich persönlich bedauern, 
daß wir diese Versammlung immer damit beschäftigen müssen, uns in Ab 
wehr zu stellen gegenüber den Angriffen, die auf die Koalitionsfreiheit der 
Landarbeiter ausgeübt werden. Es wäre besser, wenn wir uns mit dem 
Aufbau in der Landwirtschaft beschäftigen könnten, statt daß diese Ange 
legenheiten hier immer wieder vorgebracht werden müssen. 
Ehe ich auf die förmliche Anfrage im ganzen eingehe, muß ich etwas 
zurückgreifen, wie es kommt, daß diese Zustände gerade in der Provinz 
Pommern so entstanden sind. Der Standpunkt der Gewerkschaften ist nicht 
der, daß sie bei seder Gelegenheit Staatshilfe in Anspruch nehmen wollen, 
um Forderungen der Arbeiter durchzudrücken, im Gegenteil, die Gewerk 
schaften stehen auf dem Standpunkt, diese Fragen durch Verhandlungen mit 
den Arbeitgebern zu erledigen. Wenn das in der Landwirtschaft heute noch 
nicht so der Fall ist, ist es darauf zurückzuführen, daß die Landwirte sich von 
jeher an die Gesetzgebung gewandt haben, um ihre Wünsche zur Durchführung 
zu bringen. Man wirft den organisierten Landarbeitern immer vor, daß 
ihre Organisationen politisch seien. Ich behaupte, daß in keiner 
Unternehmergruppe derartig das politische Moment 
eine Rolle spielt, als esbei den landwirtschaftlichen 
Unternehmerorganisationen seit jeher der Fall ist. 
(Sehr richtig! bei den Dozdem.) Für sie war die Regierung das ausführende 
Organ, und mein Kollege Paetzel hat vor kurzem hier in diesem Hause sehr 
zutreffend gesagt, daß dieses Parlament seitens der Landwirte immer als 
die Verwaltung des großen preußischen Gutshofes betrachtet wurde. ' Die 
Herren kamen ab und zu her und haben nachgesehen, ob die Administratoren, 
das heißt die Regierungsmänner, ihre Schuldigkeit erfüllt haben, und dann 
sind sie wieder nach Haufe gefahren. Jetzt ist es aber etwas anders geworden. 
Dann möchte ich noch eine persönliche Sache anschneiden. Es ist dies 
auch nicht persönlich, denn ich werde ja immer angegriffen als Vertreter des 
Deutschen Landarbeiter-Verbandes, Da hat besonders von Wangen 
heim - Kleinspiegel sich mit mir beschäftigt. Dieser Herr hat auf der 17. Voll 
versammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates am 29. November 1918 in 
Berlin, laut „Deutscher Tageszeitung", erklärt, daß Schmidt vom sozial 
demokratischen Landarbeiter-Verband es abgelehnt habe, mit den Arbeit 
gebern zusammenzuarbeiten. Der Bericht vermerkt hier: Hort, hört! Ich
	        
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