Full text: Der Wald und seine Arbeiter

22 
Die jetzigen Tariflöhne. 
Die Kernfrage bei allen Tarifabschlüssen ist die Lohnfrage. Von der Höhe 
des Lohnes hängt in erster Linie die Existenzmöglichkeit'des Arbeiters ab. 
In den meisten Forstgebieten wird in Akkord gearbeitet. Gegen die Akkord 
arbeit hatte sich bei den Forstarbeitern, ebenso wie in andern Bernsen, eine 
große Abneigung eingestellt. Die Abneigung gegen diese Art der Entlohnung 
hatte ihre Ursache in der ungerechten Verteilung der Arbeit. An vielen Stellen 
wurden bei der Vergebung der Arbeiten einzelne Arbeiter oder Rotten bevor 
zugt. Anderseits trug aber auch die Art der Verrechnung des Lohnes viel 
dazu bei. 
Der Akkordlohn setzt sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen, und 
zwar aus dem Haulohn und dem Rückerlohn. Während nun die Haulöhne 
fast überall nach einen: bestinunten Haulohntarif, den allerdings einseitig der 
Arbeitgeber oder dessen Vertreter festsetzte, gezahlt wurden, wurde anderseits 
der Rückerlohn willkürlich nach Fertigstellung der Arbeit von dem Oberförster 
nach seinem Belieben festgesetzt. Durch die Festsetzung des Rückerlohires wurde 
nach Fertigstellung der Arbeit der Lohn der Arbeiter durch den Oberförster 
reguliert. Sehr oft kam es vor, daß die Arbeiter um den Preis ihrer fleißige:: 
Arbeit betrogen wurden, weil der Oberförster bei der Schlußabrechnung einen 
ganz niedrigen Rückerlohn festlegte. 
Dieser Uebelstand ist durch den Abschluß der Tarife überall beseitigt. In 
den meisten Tarifen ist ein Haulohntarif enthalten, der sowohl die Preise für 
Hauung sowie auch den Rückerlohn enthält. 
Wo dieses letztere dicht der Fall ist, ist eine Bestiininung in den Tarifen, 
nach welcher der Akkordpreis vor Beginn der Arbeit mit den Arbeitern unter 
Hinzuziehung des Arbeiterausschusses vereinbart werden muß. Eine andere 
wesentliche Bestimniung, die in einzelnen Tarifen, unter andern: auch in preußi 
schen enthalten ist, besagt, daß die Akkorde so festgesetzt werden müssen, daß 
ein bestimmter Satz über die festgesetzten Stundenlöhne verdient werden soll. 
Unter diesen Bedingungen werden sich die Forstarbeiter unter den: Akkord- 
lohnsysten: wohler und freier fühlen als wie in: Tagelohn, wo fortwährend 
ein Beamter als Aufpasser hinter ihnen steht. 
Natürlich können sich die Oberförster und die Privatwaldbesitzer an diesen 
neuen Zuständen nicht gewöhnen. Hier ist es Aufgabe der Kollegen allerorten, 
ihren Mann zu stehen und für die Einhaltung des Tarifes zu sorgen. Die 
schönsten Bestimmungen, der Tarife nützen uns nichts, wenn sie nicht einge 
halten werden. Auch in den Forstbetrieben muß der Arbeiter bei Festsetzung 
seines Lohnes mitreden können. Wenn so gearbeitet wird, dann wird die 
Akkordarbeit nicht zun: Schaden, sondern zun: Vorteil der in der Forst be 
schäftigten Arbeiter sein. 
Tage- oder Stundenlöhne sind in allen Tarifen festgelegt. Für die preußi 
schen Staatsforsten konnten die Löhne leider nicht bei den zentralen Verhand 
lungen festgelegt werden. Die Regierung wollte auf einen von uns dahingehend 
gestellten Antrag nicht eingehen. Laut Tarif müssen die Löhne in den einzelnen 
Regierungsbezirken mit den in Frage kommenden Verbänden festgesetzt werden. 
Die angeführte Tabelle Seite 27 gibt Aufschluß über die Löhne in Preußen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.