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Erwin Respondek,
gegen absolut sichere Effektenunterpfänder gewährt, in allem jedoch
Mäßigung als oberstes Leitprinzip walten lassen. Nach den Angaben
in ihren Geschäftsberichten zielten sie dahin, die Deponenten zum An
kauf der Kriegsanleihen zu bewegen. Hier bot sich ihnen ein Feld, auf
dem sie den anlagesuchenden Kunden zuverlässige und uneigennützige
Berater und Führer sein können. Es ist selbstverständlich, daß sie gegen
wärtig als die einzig empfehlenswerte Kapitalsanlage nur die Nat.-Vert.-
Wechsel sowie die 5 % Rente propagieren.
So führt der Credit Lyonnais an, daß seine Kunden rund 83,00 Milk
Frcs. 5 % ewige Rente gezeichnet haben, die einem nominellen Kapital
von 1655,00 Milk Frcs. entsprechen. Bei der Unterbringung der Nat.-
Vert.-Wechsel und -Obligationen habe er tätigen Anteil genommen und
seit den Emissionstagen seien von seiner Kundschaft bis zum 15. De
zember 1915 über 3800,00 Milk Frcs. gekauft worden. Das Comptoir
National meldet, daß bei ihm 140 000 Zeichner an seinen Schaltern
für 725,00 Milk Frcs. nominelles Kapital 5 % Rente nachgefragt haben.
Die Banken übten demnach hier lediglich eine vermittelnde Tätigkeit aus,
ohne sich selbst zu engagieren. Aus der Behandlung der einzelnen Geschäfts
zweige kann die Ansicht gewonnen werden, daß es den Banken weniger
auf die Rentabilität ihrer Arbeit während der schweren Kriegszeit als
auf die sichere Fundierung ihrer Gesamtlage und Vermeidung irgend
welcher neuer Erschütterungen ankommt. Konsolidierung scheint jetzt
bei ihnen die Parole zu sein.
Eine so tiefgreifende Änderung in der Geschäftspolitik konnte
nicht vor sich gehen, ohne merkliche Spuren an den Gewinnziffern zu
hinterlassen. Die Zinseinnahmen haben keine großen Summen erreicht,
denn der Mehrgewinn, der auf der aktiven Seite durch das erhöhte Landes
zinsniveau zu erzielen ist, bewegt sich in engen Grenzen und wird dazu
noch von den auf der passiven Seite zu leistenden höheren Depositen
zinsen verkleinert. Aus den hohen Kassenbeständen folgen nur Zins
opfer. Provisionseinnahmen sind geringer geworden, da mit dem Börsen
schluß und dem späteren kleinen Verkehr die ergiebigen Gewinnquellen
aus dem Effekten-Kommissionsgeschäft zum Versiegen gebracht sind.
Der Verkehr auf dem provisionspflichtigen Konto-Korrentkonto ist trotz
der flotten Kriegskonjunktur nicht so rege, daß er diesen Ausfall auszu
gleichen imstande wäre. Neben dem Fortfall der Kommissionsgebühren
beeinflussen das Fehlen der Kursgewinne aus Effektenspekulationen,
sowie die Unmöglichkeit, zwischen den befreundeten oder neutralen
Börsen im größeren Stile zu arbitrieren, das Gewinnergebnis recht er
heblich. Aber besonders eine Gewinnquelle, die mit Ausbruch des Krieges
zum vollständigen Versiegen gelangte, dürfte von den Kreditbanken,
— wie von den Credit Mobilier-Banken — am empfindlichsten vermißt
werden. Dies sind die in so reichlichen Mengen und auf so leichte und
schnelle Art gewonnenen Kommissionen und Kursdifferenzen aus den
ausländischen Anleihe- und Aktienemissionen. Aus diesem intensiv
gepflegten Geschäftszweig holten die Banken ihre höchsten Gewinn