fullscreen: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

wird man sich des Weitern auch nicht verhehlen dürfen, 
das; mit dein Miniinallohn allein für den Arbeitnehmer noch 
herzlich wenig erreicht ist, wenn nicht gleichzeitig eine ganze 
Anzahl Maßnahmen getroffen werden, ihm den einmal fest 
gestellten Lohn zu sichern. Die Geschichte des Stickereiver 
bandes lehrt, das; dieses Kapitel das schwierigste und heikelste 
ist. Man soll nun nur nicht glauben, daß Branche oder Miß 
bräuche, wie sie in der Stickerei mit Qnalitätenschinderei, Ab 
zügen, Retourwaaren re. vorkommen, nur ihr eigen sind. Mehr 
oder weniger und in Formen, welche den jeweilige» Verhält 
nissen angepaßt sind, finden sie sich bei allen Industrien. Wer 
denkt nicht an die Klagen der westphälischen Kohlenarbeiter 
im Frühjahr 1890 über das Nullen, liber gewinnsiichtige 
Zuschläge der Arbeitgeber auf dem den Arbeitnehmern ge 
lieferten Material, wenn er von den Retouren und von 
gewissen U»fugen, wie sie im Garnhandel der Stickerei exi- 
stirte», liest; wer denkt nicht an die Klagen der österreichischen 
Tucharbeiter liber Abzlige, welche die ganze Lohnsicherheit 
gefährden, wenn er von den bezüglichen Verhältnissen in der 
Stickerei Kenntniß nimmt. Die Sicherung des Lohnes, welche 
darin besteht, daß dem Arbeiter mit der andern Hand nicht 
unrechter oder wucherischer Weise genommen werden kann, 
was man ihm mit der einen als Lohn gibt, ist für den Arbeit 
nehmer praktisch zum mindesten ebenso werthvoll, wie der 
Minimallohn selber, desgleichen auch von allgemein wirth- 
schaftlichen Gesichtspunkten und ganz besonders von jenen der 
unentbehrlichen Moral im Erwerbsleben. 
Mit dem Umsichgreifen solcher Mißbräuche beginnt je 
weilen die eigentliche Deronte jedes rechtlich-sittlichen Bewußt 
seins in allen Bcrnfsklassen einer Industrie oder eines Ge 
werbes ; dann treibt jene verzweifelte Stimmung unter den 
Arbeitnehmern ihre tiefste Wurzel, welche zu Schritten ver 
leitet, die den Arbeitnehmern und Arbeitgebern; gleich schädlich 
sind.und gewöhnlich mit einer Schädigung der betreffenden
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.