102 ' Verteilung des Volkseinkommens.
den Arbeitgeber- und Arbeiterverbänden, ein verhandeln von
Macht zu Macht, das sicher gegenüber dem bisherigen Zustande
des ungeregelten Kampfes viel Vorteile böte.
lvie diese Störungen in der Verfassung unserer lvirtschast
liegen/ so liegen andere große (Quellen der Störung in der so
zialen Schichtung des Volkes. Kämpft der Produzent
,gegen den Konsumenten, der Rohstoffabrikant gegen den ver
feinerungsindustriellen, ja der Konkurrent mit dem Konkurrenten
überhaupt so kämpfen die Unternehmer mit den Arbeitern um
ihren Anteil an dem Gesamterträgnis der nationalen Wirtschaft.
Der Arbeiter verlangt höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit,
bessere Arbeitsbedingungen, die nicht weniger materielle werte
darstellen, als die Löhne selbst.
Diese Kämpfe werden wir freilich erst ganz verstehen, wenn
wir uns das Problem der Verteilung -des volksein-
konrmens nach dem Anteil der verschiedenen
Produktionsfaktoren klargemacht^ haben.
B. Die Verteilung des Volkseinkommens.
Die gesamten Einnahmen, die ein Volk im Laufe eines Jahres
erwirtschaftet, verteilen sich an die Glieder des Volkes ungleich
mäßig. Die Maßstäbe dieser Verteilung werden von
manchen Forschern wie von Schumpeter, ausschließlich in
den ökonomischen Verhältnissen gesucht, während andere, wie
Tugan-Baranowsky und Stolzmann, die sozialen
Verhältnisse zur Erklärung heranziehen, wir treten der Meinung
bei, daß sie sich auf Grundlage der jeweiligen Rechtsordnung nach
der Geltung bestimmen, die sich die einzelnen produktionsfak-
toren innerhalb der Wirtschaft zu verschaffen gewußt haben. Die
vorwegnähme eines Teiles des Ertrages, wie sie mit der Skla
verei-oder der Fronverfassung verbunden sind, kennt die Gegen
wart nicht; nur der Staat beansprucht gelegentlich noch „Regal
vorrechte", wie etwa das Deutsche Reich solche von der Diamant
produktion SUdwestafrikas verlangte. Der wirtschaftliche vertei
lungszwang ist freilich in seinem Erfolge nicht weniger wirksam
als der rechtliche, aber er ist nicht so starr. Tatsächlich vollziehen
sich fortwährend Verschiebungen in der Verteilung
zwischen Arbeits- und B e s i tz e i n k o m m e n und
Unternehmergewinn. > Im einzelnen werden gar nicht