Das Sparen.
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Dieser Anlage in papieren sind bei uns dadurch Grenzen ge
zogen, daß nach Gesetz und Sitte gewisse ziemlich hohe Minimal
beträge— gewöhnlich MOO j{ — für sie festgesetzt sind; wir
wissen, daß das englische Aktienrecht diese Grenze nicht kennt.
Die kleineren Beträge strömen also in andere Reservoire, nämlich
die Sparkassen, die B olksbanken und Raiffeisen
kassen und die Banfe n. Diese sind aber nur eine Zwischen
station, denn das Geld muß arbeiten, wenn es dem Einleger
Zinsen und dem Empfänger doch auch noch einen Vorteil bringen
soll. Sie haben über die Verwendung der Gelder an Stelle des
Eigentümers zu verfügen, und zwar pflegen unsere Sparkassen
die Anlage in Hypotheken und Staatspapieren, die Banken die
Zuführung an Industrie und Handel zu bevorzugen; nur die Ge
nossenschaften machen sie wieder dem gleichen Kreise der kleinen
Leute zugänglich,, a,us dem sie stammen.
Der Sparer ist eine person von großem Ansehen in all den
Kreisen, die sein Geld brauchen können; in unserem, im Ver
hältnis zu seinen Ansprüchen kapitalarmen Deutschland gaüz be
sonders. Da wird denn alles aufgeboten, um den Sparer heran
zuziehen; namentlich die industriellen Unternehmungen und die
Banken lassen alle Künste der Verführung spielen. Ein Blick in
den Anzeigenteil einer Zeitung gibt Beispiele genug dafür, ganz
zu schweigen von den Prospekten, die den Wohlhabenderen ins
Haus geschickt werden, und den Agenten, die den kleinen Bauern
und Handwerker direkt aussuchen, um ihm die Vorzüge irgend
einer Goldmine oder Kautschukplantage klar zu machen. Sogar
das schöne wort „2Inimierbänfiers" hat man für die Träger einer
Tätigkeit geprägt, die freilich in diesem Falle wenig an die Bedürf
nisse der Volkswirtschaft und viel an sich selbst denken. Zlber auch
wenn wir von solchen betrügerischen Manipulationen absehen,
können wir doch durchwegs die Einwendung aller nur erlaubten
Mittel zu diesem Zwecke beobachten; die Hypothekengesellschaften
versprechen den Bankiers 'besondere Provisionen, wenn sie ihre
Pfandbriefe an das publikum absetzen; der Staat will gar die
Sparkasse auf dem Wege der Gesetzgebung zwingen, einen Teil
ihrer Bestände in seinen Anleihen anzulegen.
Die Aufklärung und Erziehung des Sparers ist eine Angelegen
heit von der größten volkswirtschaftlichen Bedeutung; sie wird es
um so mehr, je größer die ersparten Kapitalien alljährlich wer
den und je weiter nach unten hin sich der Kreis der Sparer zieht.