Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

j(4  Aufgaben  und  Methoden  der  volkswirtschastslehrc.
gnügt,  die  Wirkung  Meier  Stoffe  auseinander  im  Reagenzglas
zu  beobachten,  sondern  auch  die  von  ihm  unbeeinflußten  und  unbeeinflußbaren ­
  chemischen  Vorgänge  im  Boden,  in  der  Atinofphäre,
  im  menschlichen  und  tierischen  Körper  zu  erkennen  sich
bemüht.  Das  Leitmotiv  des  ökonomischen  Prinzips  hilft  uns  nicht
mehr  durch.  So  kam  denn  eine  neue  Schiele  auf.  die  den  umgekehrten ­
  weg  einschlug.  Sie  ging  von  den  tatsächlichen  Vorgängen
der  Wirtschaft  aus,  verfolgte  ihren  Verlauf,  suchte  durch  sorgfältige ­
  Analyse  der  Wirklichkeit  die  treibenden  Kräfte  aufzuspüren. ­
  um  schließlich  die  Gesetze  der  Wirtschaft  erfahrungsmäßig
festzustellen.
Ls  ist  ohne  weiteres  klar,  daß  der  letztere  weg  gegenüber  der
strengen  mathematischen  Schlußfolgerung  der  Deduktion  der  viel
leichter  zu  verfehlende  ist.  wer  jemals  sich  mit  wirtschaftlichen
Tagesfragen  beschäftigt  hat,  wer  auch  nur  Zeitungen  lieft,  wird
oftmals  mit  Staunen  gesehen  haben,  wie  verschieden  die  scheinbar
einfachsten  wirtschaftlichen  Tatsachen  erklärt  werden;  und  für
kompliziertere  Erscheinungen  wie  etwa  die  Krise,  die  Bodenpreisbildung, ­
  die  Lage  des  tzandwerks  füllen  die  Erklärungen
nicht  mehr  Bücher,  sondern  Bibliotheken.  Man  wird  sich  nicht
verhehlen  können,  daß  diese  Schwierigkeiten  in  der  Methode  selbst
begründet  find;  der  enge  Zusammenhang  aller  Erscheinungen  des
Lebens  von  den  rein  physiologischen  bis  zu  den  höchsten  intellektuellen, ­
  ethischen  und  ästhetischen  spottet  jedes  Versuches  einer
restlosen  Auflösung  in  feine  letzten  Elemente.
Die  Methode  der  volkswirtschaftlichen  Analyse ­
  (so  nennen  wir  sie  besser  statt  mit  dem  vielfach  angewandten
Namen  der  Induktion),  des  Schluffes  von  der  Erscheinung  auf
das  Gesetz,  hat  denn  auch  gerade  wie  die  der  induktiven  Naturwissenschaften, ­
  ein  kjauptangenmerk  auf  die  Verfeinerung  ihrer
Werkzeuge,  der  Mittel  der  Beobachtung  gerichtet.  Es  handelt  sich
dabei  darum,  sowohl  den  Verlauf  als  auch  das  Wesen  der  Erscheinung ­
  eindeutig  festzustellen.  Sind  die  zu  beobachtenden  Erscheinungen ­
  bereits  vergangen,  so  tritt  die  Wirtschaftsgeschichte ­
  auf  den  Plan.  wirtschaftsbistoriker  waren  es  denn
auch.  Männer  wie  Ljildebrand,  Roscher,  Schmolle  r,
in  deren  fänden  die  Anwendung  der  neuen  Methode  ruhte,  die
demgemäß  auch  mit  einem  ihren  Umfang  nicht  ganz  deckenden
Namen,  die  historische  Methode  genannt  wurde.  Die
Wirtschaftsgeschichte  hat,  wie  jede  Geschichtswissenschaft,  die  Auf-
            
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