Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

24  Grundbegriffe  der  Wirtschaft.

duktionskosten.  Der  Amerikaner  Garer  machte  dann  darauf  aufmerksam, ­
  daß  nicht  die  Produktionskosten,  sondern  die  Reproduktionskosten ­
  wertbestimmend  feien.  Wenn  ein  neuer  technischer
Prozeß  erfunden  wird,  der  die  Herstellung  eines  Gutes  verbilligt,
so  werden  -die  nach  dem  alten  Verfahren  hergestellten  Gitter  „entwertet", ­
  einen  Vorgang,  den  man  bei  unserer  rasch  vorschreitenden
Technik  täglich  beobachten  kann.  Die  Erklärung  des  Giiterwertcs
aus  den  aufgewendeten  Rosten  befriedigt  jedoch  in  vielen  Fällen
nicht.  .Manche  Güter  find  überhaupt  keine  Arbeitsprodukte;
andere,  wie  z.  B.  Kunstwerke,  haben  schon  für  die  einfachste  Einsicht ­
  nicht  einen  Wert,  der  den  aufgewendeten  Produktionskosten
entspräche.  Die  Aostenwerttheorien,  die  man  auch  wohl
als  die  Theorien  des  objektiven  Werts  bezeichnet,
wurden  daher  abgelöst  von  den  subjektiven  Theorien.
Die  Vertreter  dieser  entgegengesetzten  Richtung,  die  Nutzwert- ­
  oder  Gebrau  ch  swerttbeor  et  ik  er,  erklären,
daß  die  Dinge  nicht  Wert  haben,  weil  sie.Rosten  erfordern,  sondern
daß  umgekehrt  aus  sie  Rosten  nur  deshalb  aufgewendet  werden,
weil  sie  einen  die  Rosten  lohnenden  wert  besitzen.  Noch  dieser  Erklärung ­
  können  tvir  nun  auch  verstehen,  warum  der  Boden,
warum  Runstwerke  wert  haben;  der  wert  liegt  in  der
Empfindung  des  Subjekts.

Gegen  diese  Folgerung  ist  aber  ein  sehr  naheliegender  Einwand ­
  zu  machen:  Wasser  hat  doch  sicherlich  unter  allen  Umständen
wert,  ist  sogar  von  höchster  L'ebenswichtigkeit.  Trotzdem  werten
wir  das  Wasser  in  der  Regel  gar  nicht;  und  das  gleiche  gilt  von
einer  ganzen  Reche  unbezweifelbar  nützlicher  Dinge.  Darauf
antwortet  nun  die  hauptsächlich  von  den  Wienern  ousaebaute
Grenznutzen-THeorie,  daß  die  Nützlichkeit
eines  Gutes  zwar  entscheidend  sei,  aber  nur  in
Verbindung  mit  einem  zweiten  Faktor,  nämlrchder
  Menge,  die  davon  zur  Verfügung  steht.
Ls  ist  nämlich  weiter  zu  beobachten,  daß  chin  und  dasselbe  Gut
nicht  zu  allen  Zeiten  gleich  bewertet  wird,  kjaben  wir  Wasser,
Brot,  Bücher  im  Überfluß,  so  werten  wir  sie  gering;  haben  wir
wenig  zur  Verfügung,  so  steigt  der  wert.  Ls  wird  nun
stets  die  ganze  zur  Verfügung  stehende  B  u  a  n  -
            
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