Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die Arbeitsteilung. 
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rend die tzälste auf die Landwirtschaft entfiel. Dies will nicht 
etwa dadurch erklärt werden, daß die Landwirtschaft, was ja 
allerdings der Fall ist, ein alter Frauenberuf fei; dann nmßte sie 
auch früher in dem gleichen Maße von Frauen betrieben worden 
fein. Tatsächlich ist feit 1882 die Zahl der in der Landwirtschaft 
hauptberuflich tätigen Männer von 5% und ö'A Millionen zurück 
gegangen, die der gleicherweise tätigen Frauen aber von 2% auf 
434 Millionen gestiegen? 
wenn so der stärkere übertritt der Frau aus der Haus- in 
die Lrwerbswirtfchaft anscheinend unaufhaltsam ist, so können 
wir doch sehen, daß dabei die Arbeitsteilung nach dem Geschlecht 
im ganzen sich deutlich durchsetzt; dafür sorgt bis zu einem ge 
wissen Grade auch die moderne sozialpolitische Gesetzgebung, 
welche Fräuenbefchäftigung in einer Reihe von Fällen verbietet, 
wie in Bergwerken unter Tage, oder einschränkt. Nach der Zählung 
von <907 ist die Zahl der beschäftigten weiblichen Arbeiter un 
gefähr ebenso groß oder größer als die der männlichen in der 
Tertilindustrie, dem Bekleidungsgewerbe, Reinigungsgewerbe, 
Handelsgewerbe und Gast- und Schankwirtfchaft, während wieder 
in anderen Gewerbegruppen, namentlich Bergbau, Metallver 
arbeitung und Industrie der Maschinen und Instrumente die 
Zahl der beschäftigten Frauen gegenüber der der Männer fast 
verschwindet. Diese Scheidung, die im wesentlichen durch die ver 
schiedenen Aörperkräfte der beiden Geschlechter bedingt ist, wird 
sich in dem Maße noch schärfer. ausprägen, als der Frauenerwerb 
immer mehr als selbstverständlich gilt und die Frauen für ihre 
neuen Berufe, wozu wir schon die, ersten Ansätze haben, ebenso 
• geschult werden, wie dies bei Männern (in Fortbildungs- und 
Fachschulen, Lehrlingsausbildung usw.) der Fall ist. wenn im 
Kriege die Frau notgedrungen viele ausgesprochen „männliche" 
Berufe übernahm, so wird sich das im Frieden allmählich wieder 
korrigieren. 
Dieser Arbeitsteilung im großen zwischen Mann und Frau 
steht als Seitenstück die Arbeitsteilung nach Völkern 
ober Kaffen gegenüber. Der Begriff des Volkes und auch der 
der Raffe ist durchaus nicht so fest bestimmt, daß man die beson 
deren Eiaentümlichkeiten eines Einzelvolkes mit der Sicherheit 
' Sie Stciaenm« in der Landwirtschaft ist zum Teil allerdnigs nur eine 
formale, indem die „mithelfenden weiblichen Familienmitglieder letzt als 
Erwerbstätige im Hauptberuf gezählt werden.
	        
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