Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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Die  Arbeit.

aufweisen  könnte,  wie  die  Zoologen  die  Tiergatlungen  trennen;
vor  allem  finden  auch  zwischen  den  Völkern,  und  zwar  nicht
nur  in  unserer  Zeit  der  großen  Wanderungen,  stete  Kreuzungen
und  Vermischungen  statt.  Je  nach  dem  Grade  der  Mischung
wird  der  Charakter  der  ursprünglichen  Bevölkerung  mehr  oder
minder  stark  beeinflußt,  wie  die  Römer  am  Rhein  vor  fast  zweitausend ­
  Jahren,  die  französischen  Refugies  im  Berlin  Friedrichs
des  Großen  deutlich  genug  in  ihrer  Nachwirkung  heut  noch  zu
spüren  sind.  Ist  die  (Quantität  fremden  Blutes  eine  größere,
so  entsteht  auch  wohl  ein  ganz  neues  Volk,  wie  Sachsen  und  Normannen ­
  zu  Engländern  werden.  Im  einzelnen  Individuum,  das
ja  schließlich  uns  in  letzter  Linie  als  Träger  des  volkscharakters
entgegentritt,  können  der  Kreuzungen  so  viele  sein,  daß  Skeptiker
den  Gedanken  einheitlicher  Volkseigenschaften  für  unmöglich  erklären. ­
  Aber  man  braucht  nicht  nur  an  Extreme,  wie  etwa  meianesische
  Stämme  der  Südsee  und  blonde  Nordländer  zu  denken,
um  über  der  Mannigfaltigkeit  der  Individuen  die  Volkseinheit
zu  sehen;  schon  zwischen  Nord-  und  Süddeutschen,  ja  bisweilen
zwischen  Bewohnern  von  Nachbarstädten  treten  Unterschiede  in
Erscheinung,  die  jedem  bekannt  sind.  Wieweit  Liese  Unterschiede
auf  Rasseneigentümlichkeiten  und  wieweit  auf  anderen  Ursachen
beruhen,  ist  für  uns  gleichgültig;  genug,  daß  sie  vorhanden  sind.
Es  sei  nur  an  die  musikalische  Begabung  der  Zigeuner  und  der
Neger,  die  kaufmännischen  Fähigkeiten  der  Armenier,  Juden,
Griechen,  Indier,  das  technische  Geschick  der  Nordamerikaner,
Engländer,  Deutschen  erinnert.
Fast  noch  wichtiger  freilich  als  die  verschiedene  Begabung,
über  deren  wandlungsmöolichkeit  bei  veränderten  Umständen  wir
noch  viel  zu  wenig  unterrichtet  sind,  ist  der  verschiedene  Lebensstandard, ­
  der  die  Völker  oder  Volksgruppen  in  gewisse  Lrwerbsschichten
  ohne  weiteres  eingliedert.  Er  scheint  durchwegs  in  der
europäisch-amerikanischen  Wirtschaft  die  Neigung  zu  bestehen,
eine  Reihe  körperlich  anstrengender  Arbeiten  an  landfremde  Rassen
abzugeben.  Italienische  Erdarbeiter  in  Deutschland,  schwarze
Minenarbeiter  in  Südafrika,  chinesische  Kulis  in  der  Zuckerindustrie ­
  Hawaiis,  japanische  Landarbeiter  in  den  Gbstpflanzungen
Kaliforniens;  es  ist  durchwegs  dasselbe  Bild.  Damit  ist  freilich
nicht  gesagt,  daß  diese  Fremdlinge  nun  immer  im  Kreis  der  ihnen
überlassenen  groben  Arbeiten  bleiben  müssen;  die  Furcht  namentlich ­
  der  weißen  Arbeiter  der  angelsächsischen  transozeanischen
            
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