Die Arbeit
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Der Schlüssel wird roh gegossen; die geringeren Sorten werden
bann in sog. Rommeln, d. h. achteckigen eisernen Rasten gereinigt
und poliert, die mit einem Gemisch von Asche, Guß und Leder
fetzen gefüllt, sich mit Blitzessckprelle um eine wagerecht liegende
Achse drehen. Bessere Sorten werden feiner bearbeitet. Eine
ganze Reihe von 2lrbeitern steht an einer Bank, die nebeneinander
eine große Zahl sich sehr rasch drehender Schmirgelrader ausweist.
Jedem Arbeiter ist nun ein kleiner Teil des Schlüssels überwiesen.
Der erste bearbeitet nur den Bart, um ihn dann an den Nachbar
weiter zu geben, der zweite die Rralle, der dritte die Pfeife und
so fort. Dieses Ineinanderarbeiten geht so rasch, daß die Leute
täglich über 2000 Stück schleifen Wieder andere Arbeiter be
sorgen nun das Zusammensetzen der Schlösser, und zwar geschieht
dies meist nicht in der Fabrik selbst, sondern als Hausarbeit. Für
das Dutzend kann nur 20—50 pfg. gezahlt werden; es muß also
ungemein rasch gearbeitet werden, um etwas zu verdienen; in
der Tat werden in wenigen Minuten ein Dutzend zusammen
gesetzt. weitere Arbeitergruppen endlich reinigen, sortieren und
verpacken die fertigen Schlösser. Die komplizierte Arbeitszerleguna
hat die Leistungsfähigkeit der Schloßarbeiter so hoch gesteigert,
daß auf den Mann täglich gegen 30 fertige Schlösser kommen,
während der Schlossermeister alten Stils'zu jedem einzelnen
Schlosse mehrere Tage brauchte.
Diese weitgehende Arbeitszerlegung mit ihren erstaunlichen
Produktionsergebnissen ist aber keineswegs an 'Me Maschinen
verwendung wie in der velberter Schloßindustrie gebunden. Sie
zeigt sich vielmehr überall, wo an Stelle handwerksmäßiger Einzel
produktion die Herstellung im großen getreten ist. Lharakteristische
und allgemein bekannte Beispiele sind einige Hausindustrien, wie
die Thüringer Spielwarenindustrie, welche für die Herstellung
von Puppen oder Holzschäfchen ganze Familien vom Großvater
bis zum kleinen Rinde herab beschäftigt, wobei jedes immer
wieder dieselbe kleine Prozedur zu vollziehen hat, etwa der Puppe
die Lippen rot zu malen. Die weiblichen Arbeitskräfte der Ber
liner Ronfektion scheiden sich in solche in der Rock- und Iacket-
bränche, der Hosenbranche, wchenbranche, in der Rnabenkonfek-
tion, in der Damen- und Mädchenmäntelkonfektion; -innerhalb
jeder einzelnen dieser „Branchen" werden wieder Stepperinnen
und Einrichterinnen, Rnopflochmacherinnen und Verknöpferinnen
unterschieden. In der Darnenkonfektion arbeitet ein Mädchen nur