Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die  Maschine.

Ärmel,  ein  anderes  nur  Kragen  für  Taillen,  eine  dritte  setzt  nur
die  einzelnen  Stücke  zusammen.  Das;  man  die  Arbeit  ganz  gut
kann,  wenn  man  jahrelang  nur  „Rnapflochmacherin  in  Knabenwesten" ­
  ist,  scheint  begreiflich;  so  werden  selbst  schwache  Kräfte
aus  ihre  höchste  Leistungsfähigkeit  gesteigert.  Wie  elend  trotz
alledem  oft  genug  der  Verdienst  dieser  armen  Geschöpfe  ist,  haben
selbst  denen,  die  nicht  sehen  wollten,  die  heimarbeitsausstellungen
  der  letzteii  Jahre  gezeigt;  hier  haben  wir  wieder  einen
der  Fälle,  wo  der  Mensch  int  Produktionsmechanismus  zerrieben
worden  ist.
Entscheidend  für  unsere  Zeit  ist  freilich  die  Verwendung
der  Maschine.  Selbst  in  solchen  Industrien  wie  im  Bergbau,
wo  sie  im  eigentlichsten  Betriebe,  also  bei  der  Kohlengewinnung,
fast  noch  gar  keine  Bolle  spielt,  ist  sie  doch  für  die  Betriebsbedingungen, ­
  für  Förderung  von  Mensch  uild  Kohle,  Wasserhaltung,
Wetterführung,  Transport.  Beinigung  und  Verladung  der  Kohle
völlig  unentbehrlich;  ohne  ihre  gewaltigen  Leistungen  müßte  der
ganze  Betrieb  stillstehen.  Sie  Maschine  ist  das  eindrucksvollste
Symbol  unserer  Wirtschaft;  hat  sich  doch  im  Ansang  der  kapitalistischen ­
  wirtschost  b^r  paß  und  die  Verzweiflung  der  Arbeiter
gegen  die  Maschinen  gerichtet,  mit  deren  Zerstörung  sie.  die  Freiheit ­
  wieder  gewonnen  zu  haben  glaubten,  nicht  wissend,  daß  die
eisernen  Sklaven  nur  die-stummen  Diener  eines  Geistes  sind,  der
sich  stärker  erwies  als  die  Fäuste  der  Proletarier.  Aber  in
der  Maschine  hat  dieser  Geist  des  unbedingten  Gelderwerbs,  der
Geist  des  Rechnens,  eine  Form  gesunden,  die  wieder  ihr  eigenes
Leben  hat.
Wollen  wir  das  wesen  der  Maschine  richtig  verstehen,  so
müssen  wir  von  vornherein  zwischen  zwei  durchaus  verschiedenen
Typen  scheiden,  nämlich  der  Kraftmaschine  und  der  Arbeitsoder ­
  Werkzeugmaschine,  wo  vorher  Menschen  oder  Tiere,  Wasser
oder  Wind  als  Triebkräfte  verwendet  werden  mußten,  war  die
Steigerung  der  Leistung  über  einen  bestimmten  Punkt  hinaus
nicht  möglich,  vor  allem  schon  deshalb,  weil  alle  diese  Kräfte  in
'  ihrer  Wirkungsweise  unregelmäßig,  schwankend  sind.  Die  KraIt-Maschine
  läßt  eine  Steigerung  der  Krastkonzentration  ins
Riesenhafte  zu,  und  diese  Kraft  steht  in  immer  gleicher  Weise,
immer  gleichem  Umsang  zur  versügungi  Ist  doch  eben  der  gleichmäßige ­
  Bewegungsverlaus  das  erste  in  die  Augen  fallende  Merkmal ­
  des  „Maschinenhasten".  So  bewunderungswürdig'nun  aber
            
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