Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Arbeiterpsychologie.

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der  einfachen  Herstellung  eines  Schuhes  vom  ersten  Klopfen  und
Zuschneiden  des  Leders  bis  zum  Aufnähen  der  Knöpfe  und  dem
schließlichen  Blankputzen  wechselt.  Zudem  kann  die  Arbeit  jederzeit
  ausgesetzt  werden,  um  dem  Kunden  Maß  zu  nehmen,  um
zum  Frühschoppen  zu  gehen,  um  den  Lehrling  an  den  Ghren  zu
nehmen.  Nun  kommt  die  moderne  Wirtschaft,  die  Arbeiter  und
Unternehmer  völlig  trennt,  den  Arbeiter  in  eine  pausenlose
Arbeitszeit  von  vielen  Stunden  einspannt.  Ls  wird  weiter  der
Produktionsvorteil  der  Arbeitszerlegung  entdeckt  und  dem  Einzelarbeiter ­
  nun  'nicht  mehr  die  ganze  Herstellung  eines  Produktes
mit  seinen  aufeinanderfolgenden  Stadien  der  Fertigstellung  übertragen, ­
  sondern  er  erhält  nur  noch  einen  einzigen  möglichst  einfachen ­
  Handgriff  während  vieler  Stunden  am  Tage  als  Inhalt
seiner  Betätigung.
Und  jetzt  das  letzte;  die  Arbeit  wird  dem  Arbeiter  ganz  genommen ­
  und  der  Maschine  übertragen,  die  sie  unendlich  gleichmäßiger, ­
  unermüdlicher  leistet  als  er,  weil  sie  eben  eine  Maschine
und  kein  fühlender  Mensch  ist.  Der  Mensch  hat  nur  noch  die
Maschine  zu  bedienen,  dafür  zu  sorgen,  daß  sie  in  ihrem  Lause
durch  nichts  gehemmt  wird.  Er  muß  sich  ihr  anpassen,  ihrer  unerbittlichen ­
  und  tödlichen  Wiederholung.  An  Stelle  des  Spinnrades, ­
  an  dem  Grctchen  ihre  Liebe  klagt,  an  dem  arbeitend  die
Hausfrau  nach  Justus  Mosers  behaglicher  Schilderung  noch  das
ganze  Haus  regieren  konntd,  ist  die  Spinnmaschine  getreten,  die
dem  Arbeiter  nichts  übrig  läßt  als  zerrissene  Fäden  wieder  anzuknüpfen. ­
  An  der  Schnellpresse  muß  die  2lnlegerin  immer
wieder,  immer  in  gleichem  Tempo  den  Bogen  anlegen,  stundenlang, ­
  tagelang  immer  denselben  kleinen  Handgriff  im  selben
Sekundenabstand.  Das  wandelbarste  Geschöpf,  der  Mensch,  mit
dem  unwandelbarsten,  der  Maschine,  zusammengekettet,  das  muß,
da  die  Maschine  gefühllos  -st,  den  fühlenden  Teil  des  ungleichen
Paares  aufs  tiefste  beeinflussen.  In  der  Tat  ist  die  -Frage,  wie
die  Maschinenproduktion  aus  den  2lrbeiter
wirkt,  die  psychologische  Grundfrage  des  Arbeiterproblems.
Leider  ist  die  Beantwortung  dieser  Frage  durchaus  nicht  so  einfach.
Herkner  sagt  einmal:  „Mensch  zu  sein  ist  heute  Millionen
von  Arbeitern  nur  außerhalb  der  Berufshätigkeit  möglich."  Diese
Formulierung,  überscharf  wie  sie  klingt,  trifft  bis  zu  einem  gewissen ­
  Grade  sicher  aus  alle  diejenigen  zu,  die  reine  „Futterarbeiter"
  sind,  nichts  anderes  zu  tun  haben  als  eine  völlig  auto-
            
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