Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die Arbeit. 
64 
willkürlich gefärbt sind, auch bei unbezweifelbarem wollen der 
Verfasser zur Wahrheit. Immerhin sehen wir doch in ihnen und 
besonders in den Äußerungen über bi'e Arbeit nicht unwahr 
scheinlicherweise den Niederschlag' allgemeiner Anschauungen der 
Arbeiterkreise. 
wir nehmen eine solche Äußerung, die eines Berliner Schlos 
sers. Lr preist das Lfandwerk, bei dem wirklich frei und selb 
ständig und deshalb mit Lust und Liebe gearbeitet werde, und stellt 
daneben den Arbeiter in der Fabrik, der stets das gleiche Orna 
ment genau nach den Angaben des leitenden Technikers aus 
zuführen habe; bei diesem löse die Arbeitsmethode ein Unlust 
empfinden aus, das sich weder beseitigen noch abschwächen und 
nur sehnsüchtig auf das Feierabendzeichen warten lasse. Er 
schilderte seine Beobachtungen in der Anopfsabrik, in der er eine 
Montagearbeit zu machen hatte; und zwar hat er die Detailauf 
gabe des Arbeiters am Stanzwerk „ beobachtet, der nur kleine 
Metallplättchen auszustanzen hat. „Der Arbeiter fängt frisch 
und munter an zu arbeiten bis zur ersten pause mit unglaub 
licher Geschwindigkeii. In einer zweiten Arbeitsperiode geht es 
schon nicht mehr ganz so flink, aber die unerbittlich laufende 
Maschine verlangt immer dieselbe Geschwindigkeit. Der Arbeiter 
hat sich aber noch bis zur zweiten pause ganz gut gehalten. Aber 
am Nachmittage ist die Ermattung nicht mehr so leicht zu über 
winden, und er denkt schon daran, wie er sich nur auf Augen 
blicke aus dieser Tretmühle befreien kann. Da geht er öfter als 
notwendig eine Notdurft verrichten, es wirft auch mal den An 
triebsriemen herunter ober ^r ölt die Maschine so oft, daß sie 
nahezu in Gl schwimmt; dann hat er doch wieder Gelegenheit, 
das überflüssige Gl abzuwischen. Das treibt er so lange, bis es 
Feierabend ist, um dann gebrochen an Leib und Seele nach tzause 
zu wanken und mit unsäglicher Gleichgültigkeit alles Schöne und 
Gute, was das Leben bietet, zu vermeiden. Nerven und Muskeln 
sind derartig überanstrengt, daß es großer Überwindung bedarf, 
um nicht schon beim Abendessen einzuschlafen. Oder aber er 
geht in die Kneipe, peitscht die erschlaffenden Lebensgeister mit 
Alkohol auf, bis die Reaktion nach einigen Stunden um so 
schlimmer auftritt. Dieser Mensch ist so ganz Sklave seiner 
Maschine, daß ihm jedes soziale Empfinden, jeder Kunstgenuß 
abgeht. Lr erblickt im Geschlechtsverkehr und im Alkoholgenuß, 
beides im reichlichen Maße genossen, die größte Freude." wir
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.