Die Mechanisierung 5er Arbeit.
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haben freilich auch andere Äußerungen, wie die eines Webers,
der den Webstuhl als fein „Brotpferd" ansieht, in die Geheimniffe
dieses Mechanismus eingedrungen ist und feine Arbeit an ihn:
gern tut. vor allem allerdings wohl deshalb, weil sie ihm nach
feiner eigenen Mitteilung durch die Gewöhnung an ihren Verlauf
die Möglichkeit läßt, an andere Dinge' zu denken, an astro
nomische, geologische, religiöse. Fragen, kfier zeigt sich die
charakteristische Erscheinung, daß ein begabter Mensch durch
eine — sicher nicht allzu schwere — Maschinenarbeit zwar nicht
geistig bedrückt, aber doch ebenso wenig angeregt wird; sein Ver
hältnis zu feiner Lebensarbeit ist eben nur das, daß sie ihn in
seinem eigentlichen Wesen nicht stört. Ls ist der typische Vor
gang der Freisetzung des unbefriedigten Intellekts, dessen Rolle,
im Arbeitsprozeß zuerst durch die Aufmerksamkeit und später
Durdf bie Gewöhnung ersetzt wird.
Die Mechanisierung der Arbeit widerstrebt dem innersten
Wesen des Menschen; wer stets das gleiche Pensum in der
gleichen Zeit zu leisten hat, wird eben stets das gleiche, nie etwas
über das Gleichmaß hinaus, nie etwas persönliches leisten
können, „wer glaubt wohl, wieviel Faulenzerei, Langeweile
und Müßiggang dazu nötig ist, damit von Zeit zu Zeit ein Ge
dicht zustande kommt," läßt Thomas Mann den Dichter dem
Prinzen Klaus Heinrich erklären. Lin feines Ghr wird selbst
der Sprache eines wissenschaftlichen Werkes anhören, ob es im
Drang der Stunde entstanden ist; ob es, um mit Nietzsche zu
reden, tie Zeichen des Zeitalters der „Arbeit" trägt, will sagen
der tzaft, der unanständigen und schwitzenden Eilfertigkeit, das
mit allem gleich „fertig werden" will, ode.r ob es von einem ge
schaffen wurde, der sich Zeit ließ, still wurde, langsam wurde, der
die Goldschmiedekunst und Rennerschaft des Wortes übte, die
lauter feine vorsichtige Arbeit abzutun hat und nichts erreicht,
wenn sie es nicht lento erreicht ... Es ist eben nicht nur die
Maschine, sondern der G e i st der Zeit, der diese atemlose
scheinbar Selbstzweck gewordene Arbeit erzwingt. Der Rohlen-
hauer, der Arbeiter am Hochofen und in den Schmelzhütten, der
Bureauarbeiter, sie alle sind ohne den Gleichgang der Maschine
zu ebenso eintönigem Tagewerk verurteilt wie der Weber am
Bandstuhl oder der Stanzer im Metallwerk. Aber es scheint
fast, als ob in der Maschine selbst Kräfte
Wvgodzlnski, Einführung In die B°lkswttlschaftsl-bre. 5