Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Äreditvermittlung. 
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es wurde fast alles Kapital, das wir überhaupt haben, ausgenutzt. 
Ja wir begannen schon wieder, weil unser Unternehmungsgeist 
größer ist als unser Aapitalbesitz, Schuldner des 2luslandes zu 
werden. Namentlich wurde immer mehr französisches Geld in 
deutschen Unternehmungen angelegt. 
wir haben schon davon gesprochen, daß die Kapital Ver 
wendung in der wirtschaftlichen Produktion 
eine stets gewichtigere Nolle spielt. Die Unternehmungen wer 
den immer größer, beanspruchen immer riesigere Summen, die 
der Ligentümer nicht mehr aufbringen kann. In dem gleichen 
Maße schwindet der Zusammenhang zwischen dem Kapitalisten, 
d. h. dem Gläubiger, und dem Produzenten, d. h. dem Schuldner. 
Wer in früheren Zeiten dem Nachbar etwas borgte, der kannte 
den Mann genau, wußte, wie er lebte und arbeitete, verfolgte 
seinen weg mit Teilnahme. Dies liebenswürdig-menschliche 
Verhältnis zwischen Schuldner und Gläubiger wurde unmöglich, 
als der Gläubiger mehr und mehr den Schuldner nicht mehr 
kannte, weil dieser nicht mehr im Nachbarschaftsbereich, sondern 
irgendwo in weiter Lerne, vielleicht gar jenseits des Meeres 
lebte. Denn es muß noch gesagt werden, daß selbst der Aktionär^ 
wenn er auch rechtlich Teilinhaber des Unternehmens ist, dessen 
Aktien er besitzt, tatsächlich in den meisten Fällen sich als Gläu 
biger fühlt, wer sich eine Aktie einer Spinnerei in Sachsen oder 
einer amerikanischen Eisenbahn kauft, will in der Negel nccht 
etwa damit Teilunternehmer werden, einen Einfluß auf die Lei 
tung der Fabrik oder Eisenbahn ausüben, sondern er will Zinsen 
bekommen, ganz wie jeder andere Gläuiger, und allenfalls noch 
einen Kursgewinn mitnehmen. Doch kann dapaus natürlich wie 
derum ein Verlust werden, und so haben denn die industriellen 
Unternehmungen, um auch die vorsichtigen Leute zu veranlassen, 
ihnen Geld anzuvertrauen, außer den Aktien oft noch Bbliga- 
tionen ausgegeben. Das sind Schuldverschreibungen, die vor den 
Aktien bevorrechtet sind, denen die werte der Fabrik an Grund 
besitz, Gebäuden usw. als Pfand dienen, die aber dafür eine feste 
Verzinsung erhalten und sonst weder an Gewinn noch Verlust 
des Unternehmens teilnehmen. 
Die Industrie, fei sie in den fänden von Linzeiunternehmern 
oder von Gesellschaften, ist aber keineswegs der einzige Pro 
duzent, welcher Kapital beansprucht. Da ist weiter die Landwirt 
schaft,'der Verkehr, der Städtebau, der Staat und die anderen
	        
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