7 Die Werttheorie
einen Zustand unterschiebt, worin der Produzent seine Subsi-
stenzmittel selbst produziert und nur den Ueberschuß über den
eigenen Bedarf, den Ueberfluß, in die Zirkulation wirft.“
Marx hat es also durchaus mit Recht abgelehnt, den Ge-
brauchswert zur Grundlage einer Preisanalyse zu machen. Um-
gekehrt ist es ein Grundfehler der Österreichischen Schule, daß
„das leitende Prinzip“ ihrer Theorie nichts Gemeinsames mit der
modernen kapitalistischen Wirklichkeit hat”. Dies muß, wie
aus dem weiteren ersichtlich ist, unvermeidlich den ganzen Auf-
bau der Theorie beeinflussen.
4. DAS MASS DES WERTES UND DER EINHEITSWERT
Wodurch läßt sich die Größe des subjektiven Wertes bestim-
men? Mit anderen Worten: wovon hängt die Höhe der indivi-
duellen Schätzung des „Gutes“ ab? In der Beantwortung dieser
Frage besteht hauptsächlich das „Neue“, das von den Vertretern
der österreichischen Schule und deren ausländischen Anhängern
gesagt worden ist.
= _ 2 Karl Marx: „Kapital“, Bd. I, S. 122.
Auch Lassalle verspottete geistreich diese Theorie: „Herr Borsig — sagt er —
produziert zunächst Maschinen für seinen Familienbedarf. Die über-
schüssigen Maschinen verkauft er dann.
Die Trauermodenmagazine arbeiten zunächst vorsorglich für die Todesfälle
in der eigenen Familie. Was dann, indem diese zu spärlich ausfallen, an
Trauerstoffen noch übrig bleibt, tauschen sie aus.
Herr Wolff, der Eigentümer des hiesigen Telegraphenbureaus, läßt zunächst
die Depeschen zu seiner eigenen Belehrung und Vergnügen kommen. Was
dann, nachdem er sich hinreichend an ihnen gesättigt, noch übrig bleibt,
tauscht er mit den Börsenwölfen und Zeitungsredaktionen aus, die ihm da-
gegen mit ihren überschüssigen‘ Zeitungskorrespondenzen und Aktien auf-
warten.“
F. Lassalle: „Reden und Schriften‘, Verl. des „Vorwärts‘, 1893, Bd. III,
S. 73. Bei den Vorläufern der „Mathematiker“ (L. Walras) ist der Austausch
der Ueberschüsse ebenfalls der Ausgangspunkt (Principe d’une Theorie mathe-
matique etc.).
27 In seinem „Kapital und Kapitalzins‘“ sagt Böhm-Bawerk, die ganze
Marxsche Argumentation sei in dieser Beziehung „falsch‘“. Hier liege nach
seiner Meinung eine Verwechslung „der Abstraktion von einem Umstand
überhaupt mit Abstraktion von den speziellen Modalitäten,
unter denen dieser Umstand auftritt, vor”. (1. Aufl., 1884, S. 435.)
Darauf erwidert Hilferding mit Recht: „Wenn ich von der speziellen
Modalität, unter der Gebrauchswert erscheinen mag, also vom Gebrauchswert
in seiner Konkretheit, abstrahiere, habe ich für mich vom Gebrauchswert
überhaupt abstrahiert ... Es hilft nichts, zu sagen, der Gebrauchswert be-
stände nun in der Fähigkeit dieser Ware, gegen andere Waren ‚ausgetauscht
werden zu können. Denn das heißt, daß die Größe des „Gebrauchswertes“
jetzt gegeben ist durch die Größe des Tauschwertes, nicht die Größe des
Tauschwertes durch die Größe des Gebrauchswertes.‘“ (l. c. S. 5.) Ausführ-
licher darüber weiter unten, bei der Analyse des „Substitutionswertes‘“.
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