Grenzen des Großbetriebs. 8 I
3a es gibt sogar Vertreter der Meinung, daß der Äus-
dehnung des Großbetriebs überhaupt Grenzen
gesetzt sind, die er nicht überschreiten kann. Wir sehen rbas viel
leicht am besten durch einen vergleich mit England. Die moderne
Volkswirtschaft hat sich zuerst, lange vor uns, in England ent
wickelt; und bei allen Verschiedenheiten, die zwischen Deutschland
und dem Inselreich herrschen, sind beide doch nach Art und Ge
sinnung der Bevölkerung recht ähnlich, wir können also wohl
annehmen, daß die Entwicklung in England ein, wenn auch ulcht
in allen Linzelzügen getreues Spiegelbild unserer eigenen künf
tigen Entwicklung ist. Wie in England hat auch bei uns bcv
Großbetrieb einen überraschenden Siegeszug gehalten, alle älteren
Betriebsformen über Len Haufen werfend. Und wenn nun jetzt
jenseits des Kanals in diesem Siegeszug eine Stockung eintrat,
so ist die Annahme nicht unberechtigt, daß auch bei uns Klein*
und Mittelbetrieb wieder werden Atem schöpfen können.
Abgesehen von Bergbau und Textilindustrie waren in England
vor denr Kriege sechsmal soviel Arbeiter in industriellen Mittel
und Klein- als in Großbetrieben beschäftigt. Für London hat
ein vorzüglicher Kenner, E h_a rles Booth, geradezu erklärt,
daß für diese Stadt weit mehr diechngeheure Zahl «einer Unter
nehmungen kennzeichnend sei als die angebliche Zunahme und
Konzentration der Großbetriebe. Daß das Zünglein in der wag
schale jetzt in England eine kleine Senkung zugunsten des Klein
betriebes zu zeigen scheint, hat, wie Brodnitz in einer inter«
.essanten Untersuchung nachgewiesen hat, sehr verschiedene Gründe.
Zunächst einmal hat sich in England eine wachsende Bewegung
gegen die Massenherstellung des Fabrikbtriebes erhoben, die zuerst
von einigen wenigen Männern ausging, aber bald sich weite
Kreise eroberte. Ls sind Thomas Earlyle, John Ruskin und
William Morris, um nur die bedeutendsten Namen zu nennen,
die an der Spitze dieser Bewegung standen. Nuskin vor allem,
der in seinem vaterlande fast wie ein Pdrophet geehrt wird, konnte
sich nicht genug tun mit Klagen gegen die Großindustrie.
Zweierlei war es, was er ihr vorwarf. Einmal, daß sie mit ihrer
lNassenproduktion den Geschmack verderbe. Die Fabrikarbeit führe
mr langweiligen und geistlosen Gleichmäßigkeit, zur Schablone;
nur die Handarbeit bewahre Schönheit, mache es jedem möglich,
Gebrauchsgegenstände zu finden, die seinem eigenen Wesen, seinem
Geschmack entsprechen. Weiter aber ist ihm die Fabrik, ja die
Wvgodzinski, Glnfübtunfl in die Bolkswirlschastslehre. li