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II. DIE PAPIEEGELDWÄHRUNG.
politischen auch die wirtschaftliche Aufrichtung des Staates zu
verwirklichen. Damit war ihm auch die Kraft gegeben, zu
einer besseren Geldverfassung überzugehen und eine gedeihliche
Gestaltung der intervalutarischen Beziehungen zu ermöglichen.
SCHLUSS.
Die staatliche Theorie des Geldes steht dadurch in Wider
spruch mit den übrigen Theorien des Geldes, dal! sie eine
„Papiergeldwirtschaft“ mit festem Wechselkurs als durchaus
möglich anerkennt. Sie setzt dabei besondere Einrichtungen
eines finanziell starken Staates voraus. Das Frankreich der
Revolution war aber finanziell ganz zerrüttet, und namentlich
zeigt uns die ganze Anlage der Assignaten ein für die Auf
rechterhaltung des Wechselkurses ungeeignetes System. Anstatt
die caisse d’escompte zu einer Nationalbank zu machen, wie
Necker es beabsichtigt hatte, anstatt in dieser Weise die
Leitung des Geldwesens Fachmännern in die Hand zu geben,
schuf man Papiergeld mit vermeintlich hypothekarischer
Sicherheit.
Die Revolutionsmänner waren eben Metallisten; sie
glaubten an das Münzpari und die Kreditnatur des Papiergeldes.
Wir dagegen wissen, daß sowohl das valutarische Papiergeld
als auch bei der Hartgeldwährung das valutarische Metallgeld
dem schwankenden Wechselkurs unterliegt und in beiden Fällen
von Kredit in diesem Zusammenhang keine Rede sein kann.
Es fehlte an der zur Verwaltung einer Papiergeldwährung
nötigen Erfahrung.
Nicht die übertriebene Assignatenemission rief eine Ver
teuerung der Lebensmittel und eine kommerzielle Krise hervor,
sondern umgekehrt, letztere hatten die unmittelbare Folge, daß
auch der Staat in Mitleidenschaft gezogen wurde und in eine
Finanznot geriet, die ihm als Rettungsmittel die Ausgabe von
Staatsnoten erscheinen ließ. Die ungeschickte Geldpolitik führte
dann zu einer maßlosen Vermehrung derselben mit den
bekannten haltlosen Motivierungen und verschärfte nur die