Full text: Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

im verstärkten Maße geltend. Darauf sind, auch ganz unabhängig 
vom Goldzufluß und der Vermehrung der realen Zahlungsmittel, 
die Preissteigerungen in den neutralen Ländern, vor allem aber 
in Amerika in den beiden ersten Jahren des Weltkrieges zurückzu 
führen. Auch davon hat der Geldschöpfungsmann Bendixen, weil 
er von Preistheorie nichts wissen will, gar keine Vorstellung. Er 
führt die Preissteigerungen in Amerika auf die Vermehrung der 
realen Zahlungsmittel, Geld und Banknoten, zurück, wobei er be 
tont, daß die Vermehrung der letzteren nicht auf der Grundlage 
von exportierten Waren, sondern nur im Zusammenhang mit einer- 
inländischen Warenvernrehrung erfolgen darf. Wir wissen aber 
jetzt, daß auch das ganz unzutreffend ist und im Banne der mate 
rialistischen Quantitätstheorie steht, daß es vielnrehr nur auf die 
Erträge und ihre Vermehrung ankommt, denen eine Vermehrung 
der realen Geldmenge entsprechen darf. Aber es ist klar, daß eine 
starke Steigerung der Erträge und Entkommen um so mehr preis- 
steigernd wirkt, wenit sie aus exporüerten Waren stammen. Denn 
diese beruhen nicht auf Vedarfsbefriedigung im Jnlande, taffen 
also den ganzen inländischen Bedarf frei tlnd verstärken ihn noch, 
indem sie zu den aus der inländischen Bedarfsversorgung erzielten 
Erträgen hinzutreten. Es kann durch solchen Export, wenn er 
großen Amfang annimmt, und daraufhin erzielte Gelderträge der 
enge Zusammenhang von Bedarfsbefriedigung, Preisen und Ein 
kommen im Inlande gestört werden, den zu erkennen Voraussetzung 
jeder Erörterung der Geldprobleme ist. 
Dabei zeigt sich wieder, wie sehr alle wirtschaftlichen Vor 
gänge letzten Endes von der individuellen Bedarfsbefriedigung 
abhängen und wie man sie itur mit einer individualistischen 
Theorie richtig verstehen kann. Wenn das Ausland seinen Im 
port auch wieder in Waren bezahlt hätte, was in normalen 
Zeiten ja letzten Endes und auf die Dauer immer der Fall sein 
wird, wäre im Exportlands keine Preissteigerung eingetreten. 
Aber die kriegführenden Staaten mußten Amerika eben in Gold 
oder in amerikanischen Forderungen bezahlen. Worin das ge 
schah, bleibt sich für die Preisbildung ziemlich gleich, weil eben 
überhaupt nicht die realen Zahlungsmittel, sondern die Ein 
kommen die Güter kaufen. Nur insofern konnte die Goldzufuhr 
eine größere Preissteigerung bedeuten, als man daraufhin ein 
Mehrfaches an Banknoten (in Amerika ist 40 °/ 0 ige Golddeckung 
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