Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Verpflichtungen  an  das  Ausland,  nie  aber  auf  die  inländischen  Preissteigerungen ­
  zurückgeführt.  In  drastischen  Äußerungen  einflußreicher ­
  Geldpolitiker  und  -theoretiker  sind  diese  Irrtümer  und  die
Überschätzung  der  Golddeckung  zum  Ausdruck  gekommen.  Schuld
daran,  daß  die  maßgebenden  Personen  eine  so  geringe  Einsicht  in
den  Mechanisinus  des  Tauschverkehrs  und  der  Preisbildung  gehabt
haben,  ist  aber  allein  die  ökonomische  Wissenschaft,  die  eben  in  der
Erklärung  volkswirtschaftlicher  Zusammenhänge  wegen  der  Anvollkommenheit
  ihrer  theoretischen  Grundlagen  völlig  versagte.
Die  Hauptaufgabe  für  die  Aufrechterhaltung  unserer  Valuta
war  natürlich  eine  einheitliche  Regelung  des  Devisenverkehrs.
Sie  ist  viel  zu  spät  und  auch  jetzt  noch  nicht  energisch  genug  zur
Durchführung  gebracht  worden.  Denn  mit  derarügen  Maßregeln
einer  durchgreifenden  Kontrolle  des  Zahlungsverkehrs  mit  dem  Auslande ­
  kann  man  wohl  bestenfalls  ein  weiteres  Sinken  der  Valuta
verhüten,  nicht  aber,  nachdem  sie  einmal  sehr  tief  gesunken  ist,  sie
wieder  heben.  Aber  nicht  einmal  ersteres  hat  man  mit  unseren
Devisenordnungen  zu  erreichen  vermocht,  weil  sie  eben  teils  unzureichend ­
  waren,  teils  nicht  streng  genug  interpretiert  und  durchgeführt ­
  wurden.  Da  ich  mich  besonders  eingehend  mit  diesen  Dingen
beschäftigt  habe,  sie  aber  noch  gar  nicht  wissenschaftlich  behandelt,
jedoch  zur  Kenntnis  unseres  Zahlungswesens  im  hohen  Maße
interessant  sind,  sei  hier  darauf  etwas  näher  eingegangen.  *)
Bis  Anfang  1916  geschah  gar  nichts,  um  den  Kurs  der  deutschen
Valuta  im  Auslande  zu  stützen.  Zwar  ist  zur  Bezahlung  der  Einfuhr ­
  auch  Gold  ins  Ausland  gegangen  in  einein  Amfange,  der  vielleicht ­
  nahe  an  1  Milliarde  Mark  heranreicht.  Aber  es  ist  das  sicherlich ­
  nicht  die  zweckmäßigste  Art  der  Verwendung  des  Goldes  gewesen. ­
  Hätten  wir  es  rechtzeitig  verpfändet  und  zur  Grundlage
großer  Kredite  geinacht,  so  hätten  wir  viel  mehr  damit  erreichen
können.  Wenn  in  diesem  Zeitraum,  wie  die  Tabelle  im  zweiten
Kapitel  zeigt,  der  deutsche  Wechselkurs  in  der  Schweiz  verhältnismäßig ­
  nur  wenig  gefallen  ist,  bis  September  1915,  also  in  den
ersten  12  Kriegsmonaten  nur  von  123  auf  109,5,  und  erst  im  Dezember ­
  darrn  auf  99,  so  lag  das  daran,  daß  trotz  aller  auf  ein  Sinkeii
hinwirkender  Momente  danrals  noch  ein  großer  Export  aus  den
9  Die  folgeirden  Ausführungen  sind  auch  in  »reinem  Aufsah:  „Die
Valutarückgänge  im  Weltkriege,  ihre  Ursache»  nnd  die  Mittel  zu  ihrer
Abhilfe,  im  „Weltwirtschaftlichen  Archiv",  Dezember  1917,  enthalten.
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