Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Ein  weiteres  Mittel,  die  Kapitalbildung  zu  fördern,  das  noch
erörtert  werden  soll,  ist  die  Erhöhung  des  Bankdiskonts.  Es
ist  ein  Zeichen  ungünstiger  Einkomnrensverschiebungen,  unzweckmäßiger ­
  Art  der  Kapitalbildung  und  ungenügender  Erfassung  der
Kriegsgewinne,  wenn  im  Kriege  der  kurzfristige  Börsenleihzins,
wie  er  sich  im  Privatdiskont  ausspricht  und  wie  ihin  der  Bankdiskont ­
  im  wesentlichen  folgt,  nur  5  %  oder  weniger  beträgt,  wäbrend
  Anlagekapital,  langfristiger  Kredit  selbst  für  sicherste  Airlagen ­
  auch  zu  einenr  wesentlich  höheren  Zinssatz  überhaupt  kaum  zu
beschaffen  ist.  Bon  einem  niedrigen  Diskontsatz,  der  den:  tatsächlichen ­
  Kapitalvorrat  und  dem  Kapitalbedürfnis  in  der  Volkswirt
schast  nicht  entspricht,  profitieren  nur  beschränkte  Kreise,  vor  allem
die  Spekulation.  Der  langfristige  Kredit,  z.  B.  der  Äypothekenzinsfuß,
  wird  sich  einem  niedrigen  Diskont  doch  nicht  anpassen,
wie  wir  das  schon  seit  langem  beobachten  können.  Man  muß,
wie  schon  gesagt,  diese  flüssigen  Kapitalien  m  irgendeiner  Weise
vor  allem  dem  Kapitalbedürfnis  kleiner  Gewerbetreibenden,  die
Kriegsanleihe  realisieren  wollen,  zuführen,  außerdem  aber  durch
Erhöhung  des  Bankdiskonts  dafür  sorgen,  daß  mehr  Anlagekapital ­
  geschaffen  und  daß  vor  allem  der  Spekulation  der  Kredit
verteuert  wird.
Allerdings  wirkt  ein  niederer  Zinsfuß  inr  allgemeinen  preisvermindernd. ­
  Aber  gegenwärtig  entspricht  ein  solcher  imn  einmal  nicht
den  tatsächlichen  Kapitalverhältnissen  in  der  Volkswirtschaft,  und
es  ist  wichtig,  auch  durch  dieses  Mittel  die  Einschränkung  des
Konsums  und  die  Kapitalbildung  anzuregen.  Äier,  in  der  Diskontpolitik, ­
  liegt  die  wichtigste  wirtschaftspolitische  Aufgabe  einer  Notenbank, ­
  der  man  aber  nicht  gerecht  wird,  wenn  sie  im  Interesse  ihres
"Status"  nur  die  Erhaltung  eines  möglichst  großen  Goldschatzes
Auge  hat.  Die  Heranziehung  des  Goldes  zur  Reichsbank  zu
Ordern,  war  früher  einmal  sehr  schön  und  verdienstlich.  Jetzt  aber
und  auch  nach  dem  Kriege  hat  sie  andere  Aufgaben,  als  nach  der
^eckungsquote  ihrer  Noten  zu  sehen.  Eine  eingehende  Überwachung
der  Kapitalbildung  und  Regelung  der  Kreditgewährung  ist  nötig,
^nfür  aber  genügt  die  Reichsbank  allein  nicht,  denn  sie  ist  kein
wirkliches  Staatsamt,  keine  Behörde;  die  Sorge  für  Kapital-  und
Kreditgewährung  aber  muß  dem  Staate  als  solchem  obliegen,  und
uher  müssen  alle  seine  wirtschaftlichen  Behörden,  das  Reichswwtichastsamt
  mit  dem  Reichsamt  für  Übergangswirtschaft,  das
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