Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Zweitens  ist  anzunehmen,  daß  noch  auf  längere  Zeit  eine  solche
Knappheit  an  den  wichtigsten  Rohstoffen  in  der  ganzen  Welt  vorhanden ­
  sein  wird,  daß  jener  starke  Warenirnport  einstweilen  unwahrscheinlich ­
  ist.  Schon  aus  diesem  Grunde  wäre  es  unrichtig,
die  notwendige  inländische  Preissenkung  nur  von  dem  freien  Verkehr
zu  erwarten,  zumal  dieser  heute  im  Zeitalter  der  Kartelle  und  Trusts
leicht  in  seiner  Wirksamkeit  gehemmt  werden  kann.  Dazu  kommt
aber  drittens,  daß  auch  aus  anderen  Griinden  eine  unbeschränkte
freie  Einfuhr  für  einige  Zeit  nach  dem  Kriege  unmöglich  sein  wird.
Der  Staat  wird  je  nach  der  Dringlichkeit  und  Notwendigkeit  des  inländischen ­
  Bedarfs  die  Einfuhr  wichtiger  Rohstoffe  einheitlich  zu
organisieren  und  eine  gleichmäßige  und  gerechte  Verteilung  vorzunehmen, ­
  die  Einfuhr  entbehrlicher  Güter  aber  zu  beschränken
haben.  Aus  diesem  Gebiete  erwachsen  der  Regierung  die  allerschwierigsten ­
  Aufgaben,  da  die  Interessen  der  verschiedenen,  auf
Rohstoffimport  angewiesenen  Industrien  sich  im  Wege  stehen  und
es  gilt,  die  Dringlichkeit  der  Bedürfnisse  bei  den  verschiedenen
Produkten,  den  Nutzen  des  betreffenden  Gewerbes  für  die  Volkswirtschaft ­
  und  das  Maß  der  zu  ermöglichenden  Einfuhr  gegeneinander ­
  abzuwägen.  Dabei  wird  es  ohne  Kämpfe  zwischen  den  Beteiligten ­
  nicht  abgehen.  Sehr  erwünscht  wäre  es,  wenn  schon  in  den
Friedensverträgen  Abmachungen  über  die  Lieferung  wichtiger
Rohstoffe  an  uns  auf  Jahre  hinaus  erfolgen  könnten.  Dabei  sollte
man  eventuell  auch  Bezahlung  in  Gold  versprechen,  was  uns  nützlicher ­
  ist,  als  gar  zu  viel  Produkte  unserer  Arbeit  hingeben  zu
müssen.  Auch  etwaige  Kriegsentschädigungen  würden  am  besten
in  wichtigen  Rohstoffen  bezahlt.
Wenn  wir  also  zunächst  die  freie  ausländische  Einstlhr  beschränken ­
  und  die  Nützlichkeit  der  eingeführten  Waren  für  unsere
Volkswirtschaft  dabei  scharf  im  Auge  haben  müssen,  so  wäre  es
doch  verkehrt,  dieses  Ziel  durch  hohe  Schutzzölle  erreichen  zu
wollen.  Damit  halten  wir  nur  das  hohe  inländische  Preisniveau
ausrecht,  auf  dessen  Grundlage  wir  nie  zu  einer  Wiederherstellung
unserer  Valuta  gelangen.  Sondern  nur  die  Verstaatlichung
der  Einfuhr,  nicht  aber  Schutzzölle  können  da  helfen.  Der  Staat
muß,  natürlich  im  engsten  Zusammenwirken  mit  den  Vertretern
der  verschiedenen  Erwerbszweige,  von  sich  aus  die  notwendige  Einfuhr ­
  vornehmen  und  zugleich  bestrebt  sein,  daß  er  für  ausgeführte
Waren  möglichst  viel  vom  Auslande  erhält.  Daher  sind  solche
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