Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

teres  ist  natürlich  sehr  viel  nützlicher  als  ein  hoher  Stand  der
Valuta.  Es  ist  sicher,  daß  Schweden  und  alle  neutralen  Länder
die  Kriegslage  noch  sehr  viel  mehr  hätten  ausnützen  können,  wenn
sie  einerseits  sich  weniger  Gold  hätten  aufhalsen  lassen,  was  nur  /
im  Inlande  die  Preise  steigerte,  andererseits  inländische  Einkommensteigerungen ­
  und  Kriegslieferungen  durch  Kriegsgewinnsteuern
schneller  für  den  Staat  absorbiert  und  damit  inländische  Preissteigerungen ­
  mehr  gehindert  hätten,  und  wenn  sie  drittens  rechtzeitig, ­
  als  noch  mehr  Rohstoffe  und  Waren  im  Auslande  zu  kaufen
waren,  solche  statt  Gold  erworben  und  daneben  in  großem  Amfange
ausländische  Effekten  gekauft  und  sich  so  zu  großen  Gläubigerländern ­
  gemacht  hätten.  Ein  solcher  Erwerb  von  Effekten  und
Anternehmungen  im  Auslande  ist  ja  auch  geschehen,  namentlich  die
Schweiz  und  Lolland  scheinen  sich  in  nicht  unbeträchtlichem  Maße
zu  Gläubigerländern  gemacht  zu  haben,  aber  sie  hätten  das  in  noch
viel  größerem  Amfange  tun  können.  Schließlich  kommt  natürlich
auch  sehr  viel  darauf  an,  wer  der  Schuldner  ist.  Forderungen
w  Deutschland  sind  doch  etwas  ganz  anderes  als  solche  in  Rußland, ­
  ja  auch  als  Forderungen  in  Frankreich  oder  Italien.
Vom  Standpunkt  der  Vereinigten  Staaten  war  es  daher
nicht  unberechtigt,  daß  sie  jetzt  auch  den  Neutralen  die  Zufuhr
möglichst  zu  beschränken  suchten.  Geschah  es  auch  wohl  in  erster
Linie,  um  eine  wirkliche  oder  vermeintliche  Zufuhr  nach  Deutschland ­
  zu  verhindern,  so  wirkte  es  doch  auch  den  Preissteigerungen
in  Amerika  selbst  entgegen,  die  teils  durch  Warenmangel  im  eigenen
Lande,  teils  durch  Einkommensteigerungen  auf  Grund  des  starken
Sports  herbeigeführt  wurden.  Abrigens  hat  Amerika,  gleich
nachdem  es  in  den  Krieg  eingetreten  war,  übermäßige  Preise  und
große  Kriegsgewinne  sehr  viel  energischer  gehindert,  als  das  leider
öei  uns  der  Fall  war.  Daher  auch  dort  ein  starkes  Sinken  der
Aktienkurse,  während  sie  bei  uns  noch  immer  weiter  steigen.  Trotz
aller  Plutokratie  hat  man  dort  das  wirtschaftlich  Notwendige  vielrichtiger
  erkannt,  während  wir  in  dieser  Hinsicht  unendlich  viel  versäumt ­
  haben.

3m  Zusammenhang  damit  sei  noch  auf  eine  andere  Frage  eingegangen, ­
  über  die  noch  viel  Anklarheit  herrscht:  Wenn  es  uns
mcht  gelingt,  durch  alle  diese  Maßregeln  in  kurzer  Zeit  die  Wieder-173

            
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