Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Ob  nun  wirklich  unsere  leitenden  Persönlichkeiten  die  Entschlußfähigkeit ­
  besitzen,  den  größten  Teil  unseres  Goldbestandes
nach  dem  Kriege  in  dieser  Weise  zu  verwenden,  lasse  ich  dahingestellt.
Wenn  sie  nicht  überhaupt  den  Gedanken  a  limine  ablehnen,  was
ich  aber  aus  bestimmten  Gründen  nicht  vermute,  müssen  sie  sich
unbedingt  mit  den  wissenschaftlichen  Grundlagen  des  Problems
auseinandersetzen.  Die  Entscheidung  über  diese  Frage  wird  aber
erleichtert  durch  den  Amstand,  daß  an  eine  Wiedereinführung  des
Äauptgrundsatzes  der  Goldwährung,  der  Einlösungspflicht  der
Banknoten  in  Gold,  einstweilen  überhaupt  nicht  zu  denken  ist.
Die  Äebung  unserer  Valuta  ist  daher  jedenfalls  ohne  Goldwährung
durchzuführen  und  erst,  wenn  sie  gelungen  ist,  ist  eine  Wiedereinführung ­
  der  Goldwährung  überhaupt  möglich.  Dann  aber  ist
sie  ohne  Zweifel  in  normalen  Zeiten  nicht  mehr  nötig.  Daraus
ergibt  sich  der  ganze  Widersinn  des  Prinzips,  in  bloßen  Zahlungsmitteln ­
  Milliarden  festzulegen.
In  den  zahlreichen  Erörterungen,  die  im  letzten  Jahre  für  und
wider  die  „Entthronung  des  Goldes"  gepflogen  worden  sind,  haben
sich  die  Gegner  sehr  oft  auf  einen  falschen  Ausgangspunkt  gestellt:
Gelehrte,  indem  sie  auf  Grund  falscher  Theorien,  des  Metallismus,
und  aus  Ankenntnis  der  tauschwirtschaftlichen  Zusammenhänge,  der
Preis-  und  EinkomMensbildung,  prinzipiell  für  die  Beibehaltung
der  Goldwährung  eintraten;  Praktiker,  indem  sie  sich  von  eingelebten
  Ideen,  daß  ein  geordnetes  Geldwesen  nur  durch  Verknüpfung ­
  mit  dem  Golde  möglich  sei,  nicht  freimachen  konnten;
Verwaltungsbeamte  und  Juristen,  indem  sie  die  Frage  auswarfen,
ob  es  nötig  sei,  die  Bankgesetzgebung  zu  verändern.  Für  jeden
dieser  drei  Gesichtspunkte  könnten  charakteristische  Beispiele  angeführt ­
  werden.  Das  alles  ist  aber  nicht  der  Standpunkt,  den  mail
gegenüber  den  heutigen  Aufgaben  auf  dem  Gebiete  des  Geldwesens
einnehmen  darf.  Die  Frage  ist  vielmehr  ausschließlich  eine  solche
der  Politik:  ist  es  zweckmäßig,  die  Goldwährung  beizubehalten ­
  oder  sie  zu  verändern  oder  abzuschaffen?
Wird  letzteres  auf  Grund  aller  wissenschaftlichen  und  praktischen  Erwägungen ­
  als  zweckmäßig  anerkannt,  so  haben  das  Beharrungsvermögen ­
  oder  das  Trägheitsmoment  der  Wissenschaft,  die  eingelebten
Vorstellungen  des  Praktikers,  die  Gewöhnung  des  Juristen  oder  Verwaltungsbeamten ­
  an  einen  einmal  bestehenden  Zustand  keine  Berechtigung ­
  mehr.  Dann  muß  eben  auch  erkannt  werden,  daß  auch
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