Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Wirtschaftsthcorie,  welche  Nutzen  und  Kosten  als  psychische  Vorgänge ­
  zu  ihren  Grundbegriffen  macht.
Wenn  man  aber  so  erkannt  hat,  daß  die  Geldvermehrung  nur
durch  die  Einkommen  wirkt,  dadurch,  daß  sie  künstlich  geschaffene,
nicht  aus  Leistungen  iin  Tauschverkehr  erzielte  Erträge  bedeutet,
dann  können  wir  noch  einen  Schritt  weitergehen  zur  wissenschaftlichen ­
  Erklärung  einer  Beobachtung,  die  auch  erst  durch  die  Geldverhältnisse ­
  im  Weltkrieg  angeregt  wurde  und  die  ohne  die  abstrakte
Geldauffaffung  und  ihre  enge  Verbindung  mit  der  Preis-  und  Einkommenslehre ­
  ganz  unerklärlich  geblieben  wäre.  Wir  müssen  erkennen, ­
  daß  es  bei  den  Preisveränderungen  überhaupt  nicht  nur
auf  die  Vermehrung  der  realen  Zahlungsmittel  ankommt,
die  man  bisher  allein  beachtete,  sondern  daß  auch  ohne  Vergrößerung ­
  der  realen  Geldmenge  unter  gewissen  Bedingungen  künstliche,
nicht  aus  dem  regulären  Tauschverkehr  stammende  Einkommenssteigerungen ­
  inöglich  sind,  welche  preissteigernd  wirken  müssen.
Diese  Beobachtung  hat  man  früher  nicht  gemacht-  und  auch  ich  habe
mich  in  meinem  Buche  „Geld  und  Gold"  nicht  so  eingehend
mit  ihr  beschäftigt,  wie  sie  es  verdient.  Mit  der  abstrakten  Geldauffassung ­
  in  Verbindung  mit  einer  richtigen  Preis-  und  Einkommenslehre ­
  wird  aber  klar,  daß  und  warum  auch  gewisse  Kreditvorgänge ­
  preissteigernd  wirken  können,  auch  wenn  sie  nicht  zu
einer  Verunehrung  der  realen  Zahlungsnrittel  führen.  Das  ist
nämlich  der  Fall,  wenn  infolge  gesteigerter  Kreditanspannrmg
  eine  Vermehrung  von  Forderungen  im  Tauschverkehr  eintritt, ­
  welche  nicht  auf  aus  ihnr  erzielten  Erträgen  beruht.
Kredit  wird  heute  —  d.  h.  nicht  etwa  erst  im  Weltftiege,
ondern  mindestens  schon  seit  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts,
seit  der  Entwicklung  des  modernen  Bankwesens  —  nicht  nur  aus
schon  verfügbarem  Geldkapital  gewährt,  also  aus  Einkommen, ­
  welches  der  Bezieher  nach  seinem  Gutdünken  entweder
zum  Konsum  oder  zur  Kapitalbildung  verwenden  kann.  Sondern
der  heutige  Mechanismus  des  Kreditwesens  ermöglicht  es,  sowohl
aus  erst  später  zu  erwartenden  Erträgen  jetzt  schon  Kredit
zu  geben,  als  besonders  auch,  Sachkapital  wieder  in  die  Geldform
zu  verwandeln  und  solches  Geldkapital,  schon  bevor  die  Amwandlung ­
  stattgefunden  hat,  im  Wege  des  Kredits  auszuleihen. ­
  Mit  anderen  Worten,  der  Kredit  ermöglicht  es,  Forderungsrechte ­
  künstlich  neu  zu  schaffen  und  sie  ohne  Zahlungs-74

            
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