Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

Werder:  aus  dem  Tauschverkehr  heraus  bezahlt,  errtziehen  ihm  Geldsummen
  (natürlich  irn  abstraften  Sinne),  die  sonst  im  Tauschverkehr
eine  andere  Verwerrdurrg  gefunden  hätten,  sei  es  daß  auf  manchen
Konsum,  sei  es  daß  auf  Kapitalbildung  bei  den  Erwerbswirtschaften
verzichtet  wird.  Insbesondere  das  letztere  liefert  die  Lauptmittel
für  die  Kriegsfinanzierung.  And  zwar  find  es  weniger  die  jährlich
neu  gebildeten,  also  aus  Erträgen,  die  auch  zürn  Konsum  hätten
verwendet  werderr  sönnen,  stammenden  Kapitalien,  als  vielmehr  die
gewaltigen  Summen  des  umlaufenden  und  des  für  die  Ersetzung ­
  abgenützter  Produktionsmittel  erforderlichen,  zurzeit  in
der  Geldform  vorhandenen  Kapitals,  das  dafür  in  Betracht  kommt.
Jenes  jährlich  ersparte  Kapital,  das  zu  Nerranlagen  dient,  ist  in
Deutschland  nur  auf  etwa  8  bis  10  Milliardeir  Mark  zu  schätzen.
Sehr  viel  größer  sind  aber  die  Summen,  die  als  umlaufendes
Kapital  immer  wieder  von  neuem  aus  den  Bruttoerträgen  der
Erwerbswirtschaften  in  Roh-  und  Lilfsstoffe  gesteckt  werden,  sowie
diejenigen,  die  aus  derselben  Quelle  zu  Amortisationen,  zum  Ersatz
abgenützten  stehenden  Kapitals  durch  neues  irr  Betracht  kommen.
Für  die  Größe  dieser  Sunrnren  gibt  es  gar  keinen  Anhaltspunkt'
es  sind  aber  doch  wohl  mindestens  50  Milliarden  Mark  umlaufendes ­
  Kapital  irr  der  deutschen  Volkswirtschaft  tätig,  rrnd  von  etwa
200  Milliardeir  stehendem  Kapital  kann  rnarr  wohl  eine  durchschnittliche ­
  Amortisationsquote  von  10  °/ 0  jährlich  annehmen.
Natürlich  stehen  diese  Sunrnren  nicht  ganz  für  die  Staatszwecke
zur  Verfügung,  weil  die  Versorgung  der  inländischerr  Bevölkerung
und  die  Erwerbstätigkeit  dafür,  werrn  auch  eingeschränkt,  selbstverständlich ­
  rveitergeht.  Daß  aber  infolge  dieser  Einschränkung
des  Verbrauchs  und  der  Kapitalneubildung  und  -ersetzung  viele
'-Milliarden  denr  Staate  für  seine  Bedürfnisse  überlassen  werderr
können,  wird  dadurch  bewiesen,  daß  neben  Steuererhöhungen  in  den
beideir  letzten  Jahren  jährlich  etwa  24  Milliarden  Mark  an  Anleihen ­
  denr  Staate  freirvillig  zur  Verfügung  gestellt  wurden.  And
daß  bei  noch  größerer  Opferwilligkeit  der  Bevölkerung  —  wenn
anders  man  die  Beteiligung  an  derr  Kriegsanleihen  überhaupt  als
eiir  Opfer  bezeichnen  kanir  —  oder  mit  Steuern  urrd  Zwangsanleihen
noch  größere  Summen  aus  dieser  Quelle  zusainmerrkonrnrerr  könnten,
zeigen  die  fortgesetzterr  Preissteigerungen  für  Luxusgüter  aller  Art,
die  eifrigen  Airkäufe  von  Altertümern  und  Gemälden,  das  Älberbieten
  ii,  ihnen  bei  Auktionen,  wo  die  unsinnigsten  Preise  gezahlt
Äiefmann,  Die  Geldvermchrung  im  Weltkriege  7  97
            
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